Die Post will von ihren schweizweit 1400 Poststellen in den nächsten vier Jahren bis zu 600 schliessen. Dafür will der Gelbe Riese die sogenannten Postagenturen in Dorfläden oder KMU um 400 bis 500 ausbauen. Zudem soll es in vier Jahren 200 bis 400 Aufgaben- und Abholstellen, «My post 24»-Automaten und Geschäftskundenstellen geben. Über diese Kanäle will die Post ihre Dienstleistungen in Zukunft besser an den Mann und die Frau bringen. 

Regierung soll sich zur Wehr setzen

Nun macht die Aargauer SP mobil gegen diese Pläne: Mit einem Postulat fordert sie am Dienstag im Grossen Rat, dass sich die Aargauer Regierung gegen die Poststellen-Schliessungen "zur Wehr setzt, sollten sie zu einem Abbau des Service public in den Gemeinden führen". Zudem solle geprüft werden, wie Gemeinden frühzeitig in den Prozess eingebunden werden, um nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Wie viele Poststellen im Aargau betroffen sind, ist noch unklar. "Genaue Zahlen haben wir auch noch nicht", sagt SP-Fraktionspräsident Dieter Egli. 

Der SP hat ihren Vorstoss nicht von ungefähr bereits in der ersten Grossratssitzung eingereicht. Zurzeit laufen Gespräche zwischen der Post und der Aargauer Regierung, schreibt die Partei im eingereichten Postulat. "Grund für diese Gespräche dürfte sein, dass die Post zunehmend Schwierigkeiten hat, Poststellenschliessungen durchzusetzen und der Widerstand in der Bevölkerung und in den Gemeinden grösser wird." Vorgängig hatte die SP auch alle Parteien angefragt, ob sie sich am Vorstoss beteiligen wollen. "Wir haben dabei keinen Zuspruch gefunden", bedauert Egli.

Schweizerische Post schliesst 600 Poststellen

Bern - 26.10.16. - Die Schweizerische Post schliesst bis ins Jahr 2020 rund 600 Poststellen. Rund 1200 Mitarbeiter könnten von einer Veränderung betroffen sein.

Postagenturen seien eben keine gute Alternative zu Poststellen, bemängelt Dieter Egli. "Kunden können sich an dort kein Bargeld auszahlen lassen und keine Konten eröffnen", begründet er dies. Auch der zunehmende Paketversand, der gerade für KMU wichtig sei, sei nicht mehr gewährleistet. Ältere Menschen müssten längere Wege in Kauf nehmen oder auf Dienstleistungen von der Einzahlung bis zur Express-Paketaufgabe verzichten. "Wir befürchten, dass Gemeinden, die ihre Poststellen verlieren, auch an Attraktivität einbüssen. Die Zentren werden gestärkt, die Randregionen geschwächt." 

Aktuell kämpfen etwa Bewohner der Freiämter Gemeinde Niederwil gegen die drohende Schliessung ihrer Poststelle. Auf der Petitionsplattform petitio.ch haben sie eine Petition gegen die Schliessung lanciert. Sie kritisieren ihren Gemeinderat deutlich: "Er hat es verpasst, sich rechtzeitig zu wehren." Einen Rüffel erhielt die Post von der unabhängigen Aufsichtsbehörde PostCom, weil sie die drei Nachbargemeinden nicht in den Entscheid einbezogen hatte. 

Die Petition ist inzwischen zur Beantwortung bei der Gemeinde eingereicht.