Die beiden kennen sich seit rund zwei Stunden. Und doch würden sie, ohne zu zögern, gemeinsam eine Pilgerreise unternehmen. Noël Emmenegger (23) aus Hettenschwil und Lea Hofmann (52) aus Magden verstehen sich auf Anhieb. «Wir sehen uns zum ersten Mal, aber mit ihm könnte ich gut zwei Wochen wandern», sagt Lea Hofmann.

Abenteuerlust, die Liebe zur Natur und eine Portion Ehrgeiz verbindet die beiden Aargauer. Ohne diese Eigenschaften wären sie hier fehl am Platz. Denn auf Schloss Neu-Bechburg bei Oensingen werden Kandidaten für «Leben wie vor 500 Jahren» gesucht. In der Sendung von Radio SRF 1 und «Schweiz aktuell» folgt eine Pilgergruppe dem Zubringer zum St. Jakobsweg von Basel in Richtung Genfersee. Zwei Wochen lang wird die Gruppe unterwegs sein und rund 240 Kilometer zurücklegen. Dabei leben die Pilger wie anno 1517. Also: wollene Kleider statt Softshell-Jacken, Ledersandalen statt Wanderschuhen, Verzicht auf Deo und Zahnbürste.

Diese Aargauer wollen zurück ins Jahr 1517

Noël Emmenegger und Lea Hofmann über ihre Gründe, warum sie an der Sendung «Leben wie vor 500 Jahren» teilnehmen wollen.

«Es wird kein Zuckerschlecken»

Eine Herausforderung, die Lea Hofmann reizt: «In der heutigen Gesellschaft wird man bequem. Das geht bei dieser Reise nicht, da muss man den inneren Schweinehund überwinden.» Aus dem Alltagstrott ausbrechen und sich draussen in der Natur bewegen – das erhofft sich die stellvertretende Geschäftsführerin der Franz Carl Weber AG vom Abenteuer. Doch sie ist sich bewusst: «Es wird kein Zuckerschlecken.»

«Ich liebe Challenges», sagt auch Noël Emmenegger. Der 23-jährige Schreiner geht öfters auf mehrtägige Wanderungen, mit Joggen hält er sich fit. «Ich fände es spannend, in den mittelalterlichen Kleidern zu wandern, so, wie es damals war.» Er ist zufällig per Facebook auf die Casting-Bewerbung gestossen und hat sich spontan angemeldet. «Etwa zwei Tage vor Ablauf der Frist», sagt er und grinst verschmitzt.

Noël Emmenegger und Lea Hofmann gehören zu den 32 Kandidaten, die aus 260 Bewerbern zum Casting aufgeboten wurden. Auf die potenziellen Pilger wartet ein Postenlauf, bei dem sie ihre «körperliche und mentale Fitness unter Beweis stellen müssen». In Vierergruppen eingeteilt, ist beim ersten Posten Teamwork gefragt: Zu viert müssen die Bewerber bestimmen, welche Gegenstände sie im Bündel auf die Pilgerreise mitnehmen würden. Esswaren, Geschirr und Werkzeuge liegen auf dem Tisch. Aber Achtung: Wer viel mitnimmt, muss schwer schleppen. Die Gruppe um Lea und Noël entscheidet sich nach intensiven Diskussionen für Brot, Käse, Kerzen, getrocknete Äpfel, Buchweizen, Lederschnüre und eine Bibel – etwas Hilfe von oben kann beim Pilgern sicher nicht schaden. 2,5 Kilogramm wiegt das Bündel am Schluss.

Weiter geht’s draussen vor dem mittelalterlichen Schloss, welches für das Casting eine perfekte Kulisse bietet. Ein zwei Kilometer langer Orientierungslauf ist der nächste Test. Am Anfang geht es steil bergauf, und Lea Hofmann muss eine kurze Verschnaufpause einlegen. Doch die Gruppe hält zusammen. «Stopp, wir warten», sagt Noël bestimmt und nimmt Lea die Jacke ab.

Noch ist das Feuerzeug erlaubt

Beim letzten Posten wartet eine Überraschung auf das Team. SRF-Moderator Ralph Wicki, der die Pilgergruppe anführen wird, sitzt an einem Lagerfeuer. Nun müssen die Teilnehmer ein Feuer entfachen. Es gelingt ihnen innert drei Minuten, allerdings mithilfe eines Feuerzeugs. «Das werden wir auf der Pilgerreise schon noch lernen», meint Wicki.

«Das Casting hat enorm Spass gemacht», sind sich Lea und Noël einig. Der Gruppenspirit hat schon richtig gut gestimmt. Lea meint zum Schluss: «Von mir aus könnte es sofort losgehen.» Ob die beiden Aargauer zu den Pilgern zählen werden, ist allerdings offen: Maximal fünf der 32 Bewerber dürfen im Sommer mitwandern.