Renate Gautschy, wie beurteilen Sie als Präsidentin der Gemeindeammännervereinigung das Nein zur Lohnerhöhung für den Gemeinderat?

Renate Gautschy: Ich kenne die politische Befindlichkeit zwischen dem Uerkner Gemeinderat, der Finanzkommission (Fiko) und der Bevölkerung nicht. Eine Verdoppelung einer Entschädigung ist aber immer ein heisses Eisen und muss klar begründet und mit Zahlen belegt werden können. Die Gemeindeammännervereinigung hat in ihrem Schreiben an die Gemeinden darauf hingewiesen wie wichtig und entscheidend der Prozess für den Antrag an die Gemeindeversammlung ist.

Ihre Vereinigung hat noch viel höhere Entschädigungen vorgeschlagen.

Das stimmt, wir haben in Abstimmung mit anderen Kantonen diesen Rahmen als Empfehlung gegeben. Jeder Gemeinderat muss aber für sich selbst definieren, wie gross die Pensen sind und wie viel Arbeit an die Verwaltung abgetreten werden kann und wie die Gemeindeorganisation aussieht. Das ist überall unterschiedlich. Jedes Unternehmen hat ein Besoldungsreglement mit verschiedenen Stufen, und in keinem Unternehmen sind alle auf der obersten oder alle auf der untersten Stufe. Eine objektive, vertretbare Einstufung – mit einem ehrenamtlichen Anteil – soll auch ein Gemeinderat mit den Kommissionen vorschlagen dürfen. Ein Gemeinderatsmandat ist ein Mandat mit hohen Ansprüchen von allen Seiten.

Viele Bürger sind der Meinung, dass der Gemeinderat immer noch ein Ehrenamt sei, sehen Sie das auch so?

Grossmehrheitlich sind die Bürgerinnen und Bürger heute der Meinung, dass eine «gerechte» Entschädigung auch wichtig ist, dabei darf das ehrenamtliche Engagement nicht verloren gehen. Es ist eine Ehre, wenn man in so ein Amt gewählt wird. Aber es beinhaltet auch viel Arbeit und Verantwortung, die Belastung kann man nicht in Worte fassen und sie holt uns ab und zu unterschiedlich ein. Auch wenn der Gemeinderat «im Rahmen» der Empfehlungen entschädigt wird, gibt es in jedem Amt immer noch sehr vieles, das ehrenamtlich erledigt werden muss.

Ist es nicht problematisch, wenn ein Gemeinderat selbst eine Lohnerhöhung beantragt?

Es kommt darauf an, wie er die Erhöhung begründet und wie der Prozess gemacht wird. Es sollte das Ziel sein, dass die Fiko den Antrag stellt und sich der Gemeinderat den «Lohn» nicht selber beantragen muss, geben oder nicht geben ist dann die Sache der Gemeindeversammlung oder des Einwohnerrats.

Es scheint, als hätte der Gemeinderat von Uerkheim vieles falsch gemacht.

Es steht mir nicht zu, Uerkheim zu kritisieren. Es ist aber so, dass wir nicht nur Empfehlungen für den Lohn herausgegeben haben, sondern auch einen Leitfaden für ein mögliches Vorgehen zur Anpassung der Entschädigungen und genau dieser Prozess ist für alle Beteiligten «entscheidend».

Was raten Sie nun dem Gemeinderat von Uerkheim?

Das Thema darf nicht vom Tisch sein, sonst wäre es nicht traktandiert worden. Der Rat sollte nun über die Bücher, sich mit der Fiko besprechen und dann mit einer überarbeiteten Vorlage nochmals vors Volk. Tut er das nicht, versteht der Stimmbürger die beantragte Lohnerhöhung vom ersten Mal gar nicht und erachtet sie als nicht notwendig.

Es besteht aber eine weitere Chance für ein Nein!

Ja, das stimmt. Diese Chance besteht aber bei jedem Traktandum, egal ob bei einer Sanierung, einem Neubau oder einer Lohnerhöhung. Und wir dürfen auch immer dazu stehen, wenn wir uns vergaloppiert haben.

Erachten Sie das Resultat aus Uerkheim als Niederlage für Ihre Gemeindeammännervereinigung?

Nein, jeder Gemeinderat muss sein Verhalten selbst verantworten und es führen verschiedene Wege zum Ziel. Der Schnellste ist dabei nicht immer der Beste.