In der katholischen Kirche Basel-Stadt (RKK) rumpelt es derzeit ordentlich. Epizentrum des Bebens ist die kleine Kirche St. Joseph im Kleinbasel. Dort werden seit September Jugendliche von einem Imam im Koran unterrichtet. Das passt nicht allen Gemeindemitgliedern, und auch ausserhalb der Pfarrei sind wichtige Kirchenvertreter gegen dieses Gastrecht der Muslime. Die Gemeinde St. Joseph pflegt seit Jahren einen intensiven Austausch mit der Quartierbevölkerung.

Vor allem auch mit den Muslimen, die in den beiden Quartieren Matthäus und Klybeck einen grossen Anteil der Bevölkerung ausmachen. Hier, wo die Schweizer knapp die Hälfte der Einwohner stellen, haben sich Angebote wie das «Integrations-Frühstück» in der Kirche und der Dialog mit der benachbarten Kasernenmoschee etabliert und bewährt. Doch mit dem islamischen Religionsunterricht im Pfarreiheim der Kirche wurde der Bogen für einige Gemeindemitglieder überspannt. Dies, obwohl oder gerade weil die Schule gehörigen Zulauf hat, schon kurz nach der Eröffnung war von 80 Kindern die Rede. Die Gemeindemitglieder, die dem wenig abgewinnen konnten, wurden in der Gemeinde überstimmt, ihr Widerstand schien gebrochen.

Vorstoss in der Synode

Nun eskaliert der Streit, zumindest was die Ebene angeht, auf der diskutiert wird. Marc Ducommun, ehemaliger Synodenpräsident, will die Kirchengesetzgebung ändern, um die Koranschule loszuwerden. Er setzt dabei bei der Finanzordnung der Kirche an. Die Regeln für die Vermietung von Kirchenräumen soll um den Passus «wobei die Abhaltung kultischer oder didaktischer Veranstaltungen von Organisationen, die das christliche Glaubensbekenntnis nicht mittragen, zu vermeiden ist» ergänzt werden. In Ducommuns Begründung klingt das weit weniger technisch. Es drehe sich darum, «geistig gefährliche Nutzungen» der kirchlichen Räumlichkeiten zu «unterbinden». Es gehe nicht an, dass die Kirche um des Geldes willen die Verbreitung von Lehren fördere, «die das Christentum untergraben können». So weit will Kirchenratspräsident Christian Griss nicht gehen. Aber er meint: «Ich hätte der Koranschule keine Kirchenräume vermietet, in dieses Fettnäpfchen wäre ich nicht getreten. Es wäre besser gewesen, ihnen zu helfen, andere Räume zu finden.»

Die Diskussion um die Koranschule als Annäherung an die Muslime wird unter Berufung auf höchste Autoritäten geführt: «Die ldee, etwas Ungutes zu dulden, um etwas Schlimmeres zu verhindern, entspricht nicht der Lehre Christi, der klar gesagt hat: ‹Wer nicht für mich ist, ist gegen mich›», zitiert Ducommun Jesus Worte nach dem Matthäus-Evangelium. Die Befürworter der Koranschule, so der ehemalige Sprecher der RKK, Xaver Pfister, argumentieren mit den Konzilserklärungen von 1965, die das «Bemühen um die Verständigung zwischen Christen und Muslimen» fordert. Das sei alles gut und recht, sagt ein Gemeindemitglied, das lieber anonym bleiben will: «Die Muslime glauben an einen Gott, wie wir. Das sind aber nur die ersten drei Zeilen des katholischen Glaubensbekenntnisses, danach folgen zwanzig, mit denen Muslime nichts am Hut haben.» Eine Kritik, die auch Ducommun in seinem Anzug an die Synode aufführt: Es fände Unterricht in einer Religion statt, «die den dreifaltigen Gott unserer Bibel nicht als den einzigen wahren Gott anerkennt und insbesondere leugnet, dass Jesus Christus der eingeborene Sohn Gottes ist.»

Griss geht nicht davon aus, dass es an der nächsten Synode zum grossen Streit kommen wird. Doch eine Änderung gäbe es bereits: «Der Kirchenrat will in Zukunft wieder genau wissen, an wen kirchliche Räume vermietet werden sollen.»