Graues Gilet, halblanger schwarzer Gehrock und eine schwere silberne Uhrenkette: Ganz im Stile eines viktorianischen Gentlemans, tadellos gekleidet, steht Johann Wanner in seinem Laden am Spalenberg 14, umgeben von nostalgischen Schweizer Souvenirs, die er im Sommer in der weihnachtslosen Zeit an Touristen verkauft. Fast bis zur Decke mit klassischem Weihnachtsschmuck angefüllt ist der hintere Teil des Ladens.

Je weiter man in die jahrhundertealten schlauchförmigen Gemäuer vordringt, desto voller wird der Raum, und desto zauberhafter die Stimmung, untermalt von dezenter klassicher Musik. In den mit allerlei weihnachtlichem Schmuck und Kitsch gefüllten mittelalterlichen Räumen fühlt man sich versetzt in Ali Babas Höhle oder transportiert in die Läden von «Diagon Alley»; also dort, wo Harry Potter seine magischen Utensilien einkauft. Mittendrin steht Johann Wanner, der nach weltweitem Erfolg nun in seiner Heimatstadt verewigt wird.

Herr Wanner, Sie sind Ehrespalebärglemer 2015 und erhalten als solcher eine Platte auf dem Basler Walk of Fame direkt vor Ihrem Laden. Was bedeutet diese für Sie?

Johann Wanner: Man solle meine im Boden eingelassene Tafel nur barfuss betreten dürfen! Spass beiseite: Es ist für mich eine grosse Freude. Weihnachtschmuck wird ja oft nicht wahrgenommen. Dabei ist er ein grosses Kulturgut. Das Dekorieren der Bäume ist ein archaischer Brauch, ein Ritual. Rituale sind mir sehr wichtig.

Aber es geht ja nicht nur um den Weihnachtsbaum als Kulturgut oder das Weihnachtsfest als Ritual, sondern ganz konkret um Ihre Person?

Ja klar, ich fühle mich persönlich geehrt, und ich nehme das an und auch mit gutem Gewissen. Ich bin ja einer der Ältesten am Spalenberg.

Sie sind seit 46 Jahren hier. Was hat sich gegenüber früher verändert?

Die Fluktuation ist enorm gross. Früher war es ein Gewinn im Lotto, wenn man einen Laden am Spalenberg hatte. Heute wechseln die Läden ständig. Es kommen Ketten und ausländische Firmen. Die treiben dann den Zins dermassen in die Höhe, dass es unmöglich wird, auf lange Sicht hier zu geschäften.

Was sagen Sie zur Entwicklung der Innenstadt in der letzten Zeit?

Es ist schon so, dass früher die Läden mehr «Schnuuf» hatten als heute. Für den Spalenberg habe ich eine Liste der Läden erstellt, die in den letzten Jahren wechselten. Es ist rund ein Drittel der hier rund 65 ansässigen Läden. Rund ein Drittel aller Läden wechseln alle zwei Jahre.

Was sind die Ursachen dieser Entwicklung? Was läuft falsch in Basel?

Ich möchte mich an dieser Debatte hier nicht beteiligen. Mich selber betrifft das alles weniger. Nach all den Jahren kennt man mich. Die Leute kommen extra nach Basel, um bei mir einzukaufen. Hierher muss man kommen, wenn man in Europa ist. Und ich habe auch viele Kunden im Ausland.

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Was man in der Kindheit als positiv empfunden hat, wirkt das ganze Leben nach. Für mich war Weihnachten immer super, angefüllt mit Familienritualen. Unser Vater weckte uns zum Beispiel früh am Morgen mit Geigenmusik, und dann war da mitten in der Stube der grossartig geschmückte Baum ... unvergesslich! Weil ich dieses Erlebnis so hatte, kann ich den Zauber von Weihnachten weitergeben. Seit den 70er-Jahren produziere und importiere ich nun den Schmuck, hauptsächlich aus dem Osten, der damaligen DDR.

Sie hätten ja weltweit Wanner-Läden aufmachen können. In Barbados gibt es ja solch einen Laden.

Ja, aber der ist die grosse Ausnahme. Da kam einer, der wollte einen Wanner-Laden, und wir haben ihm einen geschickt mit allen Details. Aber das Leben ist zu wertvoll, als dass man es mit Administration verschwenden sollte. Ich wollte das alles nie aufblasen. Ich brauche kein Büro mit hundert Angestellten. Mir reicht die «Stubigkeit» in meinem Geschäft. Mehr brauche ich nicht. Und der Erfolg ist ja da.