Delfine, Pferde und Hunde — die therapeutischen Fähigkeiten dieser Tiere sind bekannt. Aber Hühner und Schweine als Therapeuten? Das überrascht. Auch sie gehören in den Therapie-Tierpark der «Rehab»-Klinik, in der Querschnittgelähmte und Hirnverletzte behandelt werden. Seit über einem Jahr ist der Stall von einer Schar unterschiedlicher Tiere bewohnt. Darunter hat es Schafe, Minischweine, Hühner, Zwergziegen, Meerschweinchen, Hasen und Katzen. Sie alle haben gelernt, mit menschlicher Nähe umzugehen.

Die Tiere ermöglichen den Kranken ein ganz neues Therapieerlebnis. Von den durchschnittlich 90 Patienten besuchen um die 15 eine sogenannte tiergestützte Therapie. «Das Tier schaut nicht, wie ich heute geschminkt bin, denn es ist ihm egal. Das Tier wertet nicht und das wollen wir nutzen. Es nimmt den Patienten den Stress, den sie sonst vielleicht hätten,» erklärt Nelly Leuthardt, Leiterin Kommunikation des «Rehab Basel».

Mehr als das Gesetz bedingt

Doch die tierischen Mitarbeiter haben klare Arbeitsbedingungen: höchstens eine halbe Stunde, nie zweimal nacheinander und nur dann, wenn sie auch wollen. Tierschutz wird hier gross geschrieben. «Arbeit mit Tieren ist im Moment sehr populär, deshalb ist es umso wichtiger, tiergerechte Haltung vorzuzeigen. Mit gestressten Tieren kann auch keine grosse Wirkung erzielt werden,» sagt Karin Hediger, die die tiergestaltete Therapie wissenschaftlich begleitet. Die Bemühungen wurden gestern belohnt: Der Verband «Kleintiere Schweiz» hat den «Rehab»-Tierpark mit einem Zertifikat für vorbildliche Haltung ausgezeichnet. Denn er macht mehr, als er gesetzeshalber müsste.

Nicole Furrer ist die Betriebsleiterin des Tierparks, um den sie sich mit drei Mitarbeitern kümmert. Einige der Tiere hat sie in ihrem eigenen Wohnzimmer grossgezogen — damit diese von Anfang an engen Kontakt zum Menschen haben. Trotzdem ist für Furrer die Selbstbestimmung des Tieres unantastbar: «Das Tier kann selbst wählen, ob es mitmachen will oder nicht. Wir sammeln keine Tiere ein, sondern sie kommen zu uns, wenn sie wollen. Es muss immer klar sein: Das Tier ist kein Spielzeug.»

Der Therapie-Tierpark des «Rehab Basel» ist mit seiner Artenvielfalt einzigartig in der Schweiz. Jedes Tier könne für die Therapie ausgebildet werden, sofern es beispielsweise nicht aggressiv oder scheu sei, meint Furrer. «Wir hatten eine Patientin, die wieder sprechen lernen musste. Die Hühner halfen ihr dabei. Sie pustete ihre Federn an und trainierte so ihre Sprechbewegung.» Genaue Forschungsergebnisse zur tiergestützten Therapie fehlen noch. Doch die wissenschaftliche Begleiterin Hediger ist überzeugt: «Ich habe das Gefühl, dass sie viel nützt - nur können wir es noch nicht belegen.» Eine erste Arbeit zum Thema beweise aber, dass die Patienten mehr positive Emotionen zeigten.

Viele Patienten haben auch im zwischenmenschlichen Kontakt Defizite. «Eine Beziehung zum Tier herzustellen, ist die Basis der Therapie. So kann der Patient im Mensch-Mensch-Kontakt ebenfalls Fortschritte machen.» Auch die Therapie-Tiere müssen ständig in der Nähe von Menschen bleiben. Ihre Zutraulichkeit geht sonst schnell wieder verloren.