Vor ein paar Tagen machte in sozialen Netzwerken das Video eines jüdischen Journalisten der israelischen Nachrichtenseite NRG betroffen, der auf einer zehnstündigen Tour zu Fuss durch Paris heimlich gefilmt wurde. Mehrfach wurde er beleidigt, unterschwellig bedroht und gar angespuckt. Der 96 Sekunden dauernde Clip wurde im Internet millionenfach geklickt.

Als Jude in Paris unterwegs

10 Stunden Als Jude in Paris unterwegs.

Auf offener Strasse beschimpft

In Basel ist derart offen ausgetragene Diskriminierung kaum denkbar. So steht auf der Website der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB): «Basel gilt als weltoffene und tolerante Stadt, in der manifester Antisemitismus kaum anzutreffen ist.» Doch auch hier sind Juden Anfeindungen ausgesetzt. Der 19-jährige Eli* berichtet: «Es gibt in dieser Stadt Gegenden, in denen ich meine Kippa nicht offen zeigen möchte.» Um einer möglichen Konfrontation aus dem Weg zu gehen, wie er sagt. Auch wurde er schon auf offener Strasse aufgrund seiner Religion beschimpft. Immer wenn international eine Welle des Antisemitismus aufsteigt, wie es jüngst im Zuge der Attentate in Paris oder Kopenhagen geschieht, steigt auch das Bewusstsein dafür in der jüdischen Gemeinschaft.

Übergriffe wie jene veranlasste auch den israelischen Premier Benjamin Netanjahu zur Äusserung, in Europa seien Juden nicht sicher; sie sollten in die Diaspora nach Israel emigrieren. Das ist für viele hier aufgewachsene und bestens integrierte Juden kein Thema, so auch nicht für Eli. Dennoch steht in der Jüdischen Gemeinde Basel besonders seit vergangenem Sommer, als der Gaza-Krieg ausbrach, die Sicherheit, unter anderem auch jene der hiesigen Synagoge, wieder verstärkt im Vordergrund. «Bei solchen Vorkommnissen wird man immer aufgerüttelt», sagt IGB-Sprecherin Sarah Engel. «Wir aktualisieren deshalb kontinuierlich das Sicherheitskonzept.» Dass die genauen Massnahmen nicht kommuniziert werden, ist Teil des Konzepts.

In Saint-Louis grösseres Problem

Engel gibt zu bedenken, dass auch in ihrer Teenie-Zeit die Eltern vor den Gefahren verbaler oder tätlicher Gewalt gewarnt haben: «Vorurteile und auch Menschen, die eine Kippa als Provokation auffassen, gibt es überall.» Im grenznahen Frankreich gibt sich Eli beispielsweise nicht als Jude zu erkennen: «Am Zoll in Saint-Louis ziehe ich eine Kappe oder Kapuze über den Kopf.» In Frankreich ist Judenhass ein akutes Problem. So schrieb Nils Muižnieks, Menschenrechtskommissar des Europarats in Strassburg in einem Bericht von Mitte Februar, dass sich die Zahl der Attacken gegen Juden in Frankreich 2014 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hat. Vor Wochenfrist wurde zudem bekannt, dass auf einem jüdischen Friedhof im elsässischen Sarre-Union rund 300 Gräber geschändet worden waren (die bz berichtete).

*Name geändert.