«Was Public domain ist, soll auch Public domain bleiben», fasst Andreas Bigger, Koordinator Digitalisierung der Universitätsbibliothek Basel, das neue Credo zusammen. Dem Entscheid sei ein längerer Prozess vorausgegangen, während dessen unter anderem auch ein Mitarbeiter von Wikipedia beschäftigt wurde (die bz berichtete).

Schliesslich seien die Verantwortlichen zum Schluss gekommen, dass das Zurückhalten von Digitalisaten frei verfügbarer Werke nicht mehr zeitgemäss sei. «Wir haben die Reproduktionsrichtlinien entsprechend angepasst, sodass diese Werke nun ohne Publikationsbewilligung und kostenlos von jedermann genutzt werden können.»

Bisher sei auch für digital vorhandene Werke, deren Urheberrecht bereits verfallen war, eine Bewilligung und im Falle einer kommerziellen Nutzung auch eine Gebühr nötig gewesen. «Dies entfällt nun, selbst wenn jemand mit einem Bild aus unseren Beständen ein T-Shirt drucken und verkaufen will», sagt Bigger.

30 000 Digitalisate verfügbar

Aktuell unterliegen rund 30 000 digitalisierte Werke aus dem Bestand der Basler Unibibliothek den neuen Richtlinien, sind also frei verfügbar. «Das ist natürlich nur ein winziger Bestandteil der rund 3,5 Millionen Dokumente, die wir verwalten», sagt Bigger. Täglich kämen aber weitere hinzu, die eingescannt und veröffentlicht werden. «Natürlich werden wir nie den ganzen Bestand digitalisieren, sondern wir konzentrieren uns auf besonders spannende, einzigartige Dokumente oder solche mit einem speziellen Basel-Bezug.»

Einen Schritt weiter ist die Public Library in New York, die zufälligerweise ebenfalls am 6. Januar bekannt gab, dass 180 000 historische Gemälde und Fotografien der freien Verwendung übergeben wurden. Die Veröffentlichung der Dokumente erfolgt auf einem speziellen Portal, das das Auffinden möglichst vereinfachen soll. «Wir wollen die Bilder nicht einfach nur online stellen, sondern die Nutzer weltweit zur Weiterverwendung motivieren», sagte ein Mitarbeiter der Bibliothek gegenüber der Zeitung «New York Times». Dies sei auch bereits geschehen, so hätten Freiwillige bereits ein Pac-Man-Spiel mit Grundrissen berühmter New Yorker Gebäude programmiert oder eine Spezialanwendung für Google Street View erstellt, die als Vergleich historische Fotografien einblendet.

So weit ist die Basler Unibibliothek noch nicht und ein eigenes Public-Domain-Portal sei derzeit auch nicht geplant, sagt Bigger. «Wir nutzen die bestehenden Kataloge, die wir gemeinsam mit anderen Universitätsbibliotheken betreiben. Aber wir sind selbstverständlich sehr gespannt, was mit unserem Material passiert.» Der grösste Gewinn bei der Digitalisierung sei jedoch, dass mittlerweile so viele Informationen per Internet verfügbar seien. «Es ist schön, wenn wir mit unseren Beständen dazu einen Beitrag leisten können.»