Mitten in den Feiertagen erschüttert ein kleines Erdbeben die Basler CVP. Ihr Vertreter im Gemeinderat in Riehen, Daniel Albietz, verlässt die Partei. Knall auf Fall.

Die Gründe scheinen klar: Albietz, der evangelische Christ mit klaren Wertvorstellungen, fühlt sich in der Christlich-Demokratischen Volkspartei nicht ernst genommen.

Als Beispiele führt er in seinem Rücktrittsschreiben und im Gespräch die Finanzierung von Abtreibungen an, oder die Prä-Implantationsdiagnostik. Themen, bei denen eine Diskussion von der aktuellen Parteileitung unter Präsidentin Andrea Strahm «unerwünscht» gewesen seien.

«Die fehlende Offenheit im Umgang mit unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Partei sowie persönliche Angriffe der Präsidentin auf meine Person gaben schliesslich den Ausschlag für den Austritt», schreibt Albietz in einer Mitteilung.

Kritik am Präsidium

Die neue Parteipräsidentin, die sich selbst öffentlich schon als «atheistisch», dann relativierend als «agnostisch» bezeichnete und der gläubige Albietz scheinen sich mehrfach in die Haare geraten zu sein.

Auch wenn Strahm gestern gegenüber der bz sagte: «Ich bin völlig überrascht von diesem Schritt». Sie habe nie Streit gehabt mit Albietz, geschweige denn ihn angegriffen. «Ich wüsste nicht, wann und wie das der Fall hätte sein sollen.» Albietz selbst will «nicht in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche waschen.»

Mann mit klaren Werten

Albietz lässt aber deutlich durchblicken, dass er sich angegriffen und ausgegrenzt fühlte, in einer Kantonalpartei, der das «C» in ihrem Parteinamen offenbar immer wieder lästig scheint. «Ja, ich vertrete klare Werte, das sollte in einer Partei, die sich selbst früher als «konservativ» bezeichnete auch möglich sein.»

Albietz tritt zwar aus der Partei aus, Gemeinderat in Riehen will er aber dennoch bleiben. «In Riehen kann man gut existieren als Parteiloser», sagt er dazu. Schliesslich sei auch Gemeindepräsident Hansjörg Wilde nicht Mitglied einer Partei.

Und ausserdem seien in seiner täglichen Arbeit, wo es um Zonenpläne, Richtpläne und Siedlungsentwicklung geht, ethische Grundsatzdiskussionen auch nicht gerade das tägliche Brot.

Seine ehemalige Partei, die CVP, stellt dieser Schritt dagegen vor ein massives Problem. Sie ist im Gemeinderat in Riehen – immerhin die zweitgrösste Stadt der Nordwestschweiz – nicht mehr vertreten.

Denn hier politisiert die EVP, im Gegensatz zum Grossen Rat, wo die beiden Parteien eine Fraktionsgemeinschaft haben, selbstständig und mit zwei Mitgliedern. Riehen sind die letzten Stammlande der Evangelischen im Kanton Basel-Stadt. Im Grossen Rat hätte Albietz’ übrigens für seinen Parteikollegen Rolf von Aarburg nachrücken können, der per Ende Januar 2016 aus dem Parlament ausscheidet.

Er hatte aber darauf verzichtet. Ob Albietz nun parteilos bleibt, oder sich allenfalls nach einer neuen Heimat umsieht, bleibt einigermassen offen: «Ich nehme parteipolitisch ein Time-out und orientiere mich neu», schreibt er den Medien. Und der Parteileitung, die von seinem Rücktritt ebenfalls auf diesem Weg erfuhr.

Hier geht es zum Kommentar.