An der nächste Woche beginnenden «Swissbau» in Basel präsentiert sich die Fagus Jura SA mit einem Pavillon aus Buchenholz. «Wir wollen nicht die Fichte verdrängen, sondern vor allem Stahl und Beton durch Buchenholz ersetzen», zeigt sich Fagus-Geschäftsführer Stefan Vögtli selbstbewusst.

Die junge Fagus Jura SA, gegründet von Waldbesitzern, will dem Baum, der in der Nordwestschweiz am häufigsten vorkommt, zu einer edleren Verwendung verhelfen als nur in Holzkraftwerken verbrannt zu werden. «Es tut weh, gute Buchenstämme wegen fehlender Nachfrage zu zerhacken», meint Vögtli.

Hochhäuser möglich

So wie der Eifelturm die Metallbau-Epoche versinnbildlicht, könnte der in Paris geplante «Baobab»-Turm aus Holz mit 35 Stockwerken den künftigen Holzbau-Boom verkünden. Mit nur einem Stockwerk kleiner ist in Stockholm ein Hochhaus aus Zedernholz projektiert: 2023 sollen die Wohnungen bezugsbereit sein. In der Schweiz macht bisher das siebenstöckige Tamedia-Gebäude in Zürich deutlich, was in urbaner Architektur mit Holz möglich ist. Und in Biel plant die Swatch Group einen futuristischen Holzbau als neuen Stammsitz.

Hartholz hält: So bestanden traditionelle Windmühlen aus einem Eichen-Skelett. Dieses nahm die Kräfte des Windes, der rotierende Flügel, der Vibrationen und Schwingungen der bewegten Teile auf. Konstruktionen, die damals auf der Erfahrung der mit Äxten arbeitenden Zimmerleute beruhte, lassen sich heute mit Computergestütztem Design und CNC-Fräsen verfeinern. Die neuen Technologien ermöglichen selbst Hochhäuser aus Holz (siehe Kasten). Hinzu kommen seit 2015 neue Brandschutzvorschriften, die mehrgeschossige Gebäude aus Holz zulassen. Und Buche lässt sich besonders gut mit Salzlösungen feuerfest imprägnieren.

Klimapolitisch erwünscht
Für Holz als Baustoff sprechen nicht nur die technischen Eigenschaften: «Jeder Kubikmeter Holz, der als Ersatz für andere Baustoffe dient, reduziert die CO2-Emissionen in der Atmosphäre um durchschnittlich 1,1 Tonnen CO2. Wenn man dies zu den 0,9 Tonnen CO2 hinzufügt, die im Holz gespeichert sind, werden mit einem Kubikmeter Holz insgesamt 2 Tonnen CO2 gespeichert», rechnet Arno Frühwald von der Universität Hamburg vor. Angesichts der Verpflichtung zu CO2-Reduktion ist Holz ein Zukunfts-Werkstoff: Jede elfte Tonne CO2 entsteht in der Schweiz durch Beton.

Noch sind es wenige Pionier-Architekten, die zum Holz greifen. Dem soll der Fagus-Pavillon abhelfen: «Wir wollen Architekten zeigen, welche filigrane Holzkonstruktionen dank der sehr hohen Tragfestigkeit von Buchenholz möglich sind, und Bauherren von der Ästhetik überzeugen.» Dabei denkt Vögtli auch an Gewerbe und Industriebauten, da sich mit Holz Hallen mit grosser Spannweite realisieren lassen.

Zwar sei derzeit ein Holzbau noch bis zu 3 Prozent teurer als Beton. Doch durch den tieferen Energieverbrauch – Holz leitet Wärme weniger ab als Beton und Stahl und ergibt ein besseres Raumklima – hole man dies im Betrieb wieder rein. Und wird das Gebäude dereinst abgerissen, kann man es im Holzkraftwerk in Strom und Wärme umwandeln.

Der Buchenholz-Pavillon als Meilenstein auf der Suche nach dem Startkapital

Es ist grotesk: Da haben Leute eine innovative Idee. Da zeigt sich die Politik offen – zumindest spricht Bundesrätin Doris Leuthard begeistert vom Laubholz als Baustoff. Da liegt der volkswirtschaftliche Nutzen auf der Hand, wenn man die Waldwirtschaft als Holzproduzent erhalten will. Und da liegt ökologisch die Idee voll im Megatrend der CO2-Reduktion, wie sie auf internationalen UNO-Konferenzen ausgehandelt wird, um das globale Klima nicht noch mehr aufzuheizen. Da ist die Technologie vorhanden. Und Geld ist in derartigem Überfluss auf dem Markt, dass man froh sein muss, wenn einem nicht Negativzinsen abgeknöpft werden. Trotzdem droht die innovative, politisch willkommene, volkswirtschaftlich sinnvolle, ökologisch erwünschte und technisch mögliche Idee ausgerechnet am fehlenden Geld zu scheitern: 10 Millionen Franken benötigt die Fagus für die erste Etappe der nötigen Investitionen, um die Produktion von Bau-Elementen aus Buchenholz aufzunehmen. 5 Millionen sollen als Fremdkapital einfliessen, nicht zuletzt über das Programm «Neue Regionalpolitik» des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Von den 5 Millionen Eigenkapital fehlen aber noch 2.5 Millionen Franken.

Dahinter stehen die Waldbesitzer
Gegründet wurde die Fagus Jura SA im Mai 2014 unter anderem durch die von der Nordwestschweizer Waldwirtschaft getragene Raurica Wald AG aus Liestal. Daneben sind die Zürich Holz AG und die Corbat AG aus Vendlincourt (JU) als Hauptinvestoren eingestiegen. Als kleinere Investoren beteiligt sind Waldbesitzer-Verbände unter anderem aus den Kantonen Aargau, Solothurn und Jura sowie Holzbauingenieure und -firmen. Ziel ist es, auf dem Areal der Sägerei Corbat in Vendlincourt ein Werk für die Produktion von Baustoffen aus Buchenholz zu betreiben. Damit könnten in einer Randregion 40 neue Arbeitsplätze entstehen und in der Holz-Zulieferkette würden bestehende Jobs in der Wald- und Transportwirtschaft erhalten.
«Dass Buche Zukunft hat, zeigt die deutsche Firma Pollmeier, die gerade wieder massiv ausgebaut hat», erklärt Fagus-Geschäftsführer Stefan Vögtli aus Lupsingen. Pollmeier bezeichnet sich als führender Bau-Buchenproduzent Europas und wird mit den Platten aus Buchenfurnieren kommende Woche auch an der Messe Swissbau auftreten. Fagus plant dagegen die Produktion verleimter Massivholz-Balken und -Platten. «Dafür ist weniger Leim und Chemie nötig», meint Vögtli.

Rechtzeitiger Markteintritt
Der vor einem Jahr von der Nationalbank freigegebene Eurokurs sei einer der Gründe, weswegen Fagus noch nicht weiter ist: «Importiertes Holz wurde auf einen Schlag 10 bis 15 Prozent billiger.» Dies lasse potenzielle Investoren zögern. «Holzbaufirmen signalisieren zwar Interesse am Produkt, aber ihr Kapital stecken sie lieber in eigene Maschinen.» Raurica habe die Aktienkapitalerhöhung bereits beschlossen. «Ideal wären Investoren aus der ganzen Wertschöpfungskette», kommentiert Vögtli. Im besten Fall reagiert der Markt auf den Buchen-Pavillon (siehe oben) so positiv, dass die Nachfrage schneller wächst als Fagus mit ihren durch Kapitalmangel bedingten Startschwierigkeiten. Wenn sich Ingenieure und Architekten erst einmal an die Werkstoffe aus dem Ausland gewöhnt hätten, würde der Markteintritt für Fagus umso schwieriger, fürchtet Vögtli den Vorsprung der Konkurrenz.
Und steigt die Buchenholz-Fabrik der Waldbesitzer vorerst nur klein ein, erreicht sie die kritische Grösse kaum: «Baumaterial muss man schnell liefern können. Dafür müssen die Hölzer trocken und bereits gesägt am Lager liegen, damit wir sofort kundenspezifisch die Bestellungen abarbeiten können», erklärt Vögtli die Wünsche des Markts. Deshalb hofft er, durch den Demonstrations-Pavillon an der Messe nicht nur Kunden zu finden, sondern auch Investoren: «Schön wäre ein Mäzen mit Affinität zur Nachhaltigkeit oder ein Holz-Industrieller, der das enorme Potenzial erkennt.»

Diese Kaskadennutzung von Holz wird vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) propagiert. Entsprechend wurde das 140 000 Franken teure Pavillonprojekt nicht nur durch Fagus, sondern auch durchs Bafu, das Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt und den Swisslos-Fonds Baselland finanziert.

Markt für Buche schaffen
Da Fagus noch nicht selbst produzieren kann, wurden die tragenden Buchenelemente bei bestehenden Schweizer Firmen gefertigt. Dabei kommen keine Metallteile zum Einsatz: Buchenholz ist so hart, dass man die Verbindungen mit wiederverwertbaren Buchenholz-Dübeln fixieren kann.
Auch wenn Fagus im Pavillon noch nicht eigene Produkte einsetzen kann, ist Vögtli überzeugt: «Für uns ist dies ein Meilenstein auf dem Weg, einen Markt für Buche zu schaffen.»