Elf Franken fürs Z’morge, 1960 Franken fürs Doppelbett. Mit diesem Angebot ist das Allschwiler Apartment-Hotel «Airstay» während der Baselworld auf der Hotelplattform booking.com präsent. «Das wird schon gebucht, für die zehn Messetage sind wir praktisch ausgebucht», sagt Leo Sidikjar.

Vor allem Japaner und Südkoreaner seien während der Uhren- und Schmuckmesse bereit, solche Preise pro Nacht zu bezahlen. «Bei Messen verfolgen wir die gegenteilige Strategie von ‹last minute› – die Preise werden immer teurer, je näher die Messe kommt.» Sorgen bereite ihm lediglich die Monopolstellung der Vermittlungsplattform booking.com – diese verlange für eine gute Platzierung in den Suchergebnissen Umsatzanteile von bis zu 50 Prozent.

Gleichzeitig sei sie für ein Hotel wie das «Airstay» mit seinen sieben Appartmentzimmern aber unverzichtbar. «Andere Vermittler bringen zwar auch Gäste, aber weniger zuverlässig und nicht in diesem Hochpreis-Segment», sagt Sidikjar.

Gesetz verbietet Wucherpreise

Nik Kleiner, Gründer der Agentur UMS Untermietservice Schweiz und seit fast 25 Jahren im Geschäft, sagt allerdings: «Die ganz fetten Jahre sind vorbei. Wir haben Zeiten erlebt, in denen während der Baselworld auch von Privatpersonen unverschämte Preise verlangt worden sind.» Er spricht von mehreren Monatsmieten, die Mieter während den zehn Messetagen kassiert hätten.

Sie seien während dieser Zeit in die Ferien und hätten in den eigenen vier Wänden weit mehr eingenommen als im Strandhotel ausgegeben. «Aber das Gesetz verbietet solche Preise beim Untervermieten der eigenen Wohnung – und das ist auch gut so.» Seine Agentur habe aktuell 95 Angebote für die Baselworld im Portfolio, 20 davon seien in diesem Jahr vermietet worden – früher seien es auch schon 50 gewesen. Die Preise bewegen sich im Bereich einiger Tausend Franken für eine ganze Wohnung und während der gesamten Messedauer und entsprechen damit den gesetzlichen Vorgaben.

Ein Blick auf das Zimmervermittlungsportal airbnb.com zeigt, dass das Angebot an Privatunterkünften selbst während der Uhren- und Schmuckmesse die Nachfrage zu übersteigen scheint – so ist selbst am Eröffnungstag am 23. März aktuell im Gundeli ein Zweipersonen-Zimmer für 34 Franken pro Person zu haben. Insgesamt sind an diesem Tag noch 299 Unterkünfte in Basel und Umgebung buchbar – was gemäss Angaben der Plattform rund 13 Prozent entspricht.

«Das wäre vor ein paar Jahren noch unvorstellbar gewesen», sagt Kleiner. Weshalb genau das so ist, könne er nicht sagen – vermutlich sei es eine Kombination verschiedener Faktoren: Weniger Messebesucher oder kleinere Aussteller-Teams, aber auch die höhere Anzahl Vermieter und Hotelzimmer.

Fast doppelt so viele Hotelzimmer

Tatsächlich ist die Anzahl Hotelzimmer in Basel in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen. Seit 2006 hat sich die Bettenzahl annähernd verdoppelt, von 4700 auf 7543 Betten Ende 2016. Der durchschnittliche Preis pro Übernachtung ist im gleichen Zeitraum um 20 Franken auf 135 Franken pro Nacht und Gast gestiegen. Doch dieser Preisanstieg verlief nicht gleichmässig, sondern praktisch ausschliesslich zwischen 2011 und 2014. Danach war sogar ein leichter Preisrückgang zu beobachten. Auch hier scheint das grössere Angebot auf die Preise zu drücken.

Die Daten des Statistischen Amts zeigen aber noch einen anderen Aspekt: Vergleicht man die durchschnittlichen Übernachtungspreise nämlich im Jahresverlauf, so zeigt sich ein deutlicher Kamelhöcker – mit zwei sprunghaften Anstiegen in den Messemonaten von Art Basel und noch deutlicher der Baselworld.