Der Bahnanschluss des Euro-Airport (EAP) ist ein langwieriges Projekt. Nach einigen Jahren Stillstand wird es nun konkret: Derzeit beginnen die Vor-Projektstudien, in deren Rahmen die genaue Streckenführung, der neue Bahnhof, das erwartete Verkehrsaufkommen und die Umweltauswirkungen untersucht werden. Die Studien der Auswirkungen auf die Verkehrswege und Wasserversorgung beim Flughafen selbst, wurden am 7. Januar im Kantonsblatt Basel-Stadt ausgeschrieben und sollen im April beginnen.

Die Vor-Projektstudien kosten 4,6 Millionen Euro, die EU beteiligt sich im Rahmen von Interreg mit 1,3 Millionen Euro. Nach dem Abschluss eines ersten Mitwirkungsverfahrens Ende 2013 war das Bahnanschlussprojekt ins Stocken geraten, weil für die Finanzierung der Studien von französischer Seite 700 000 Euro fehlten. Das Loch konnte durch die EU-Gelder gestopft werden. Die Schweiz, vertreten durch das Bundesamt für Verkehr (BAV), beteiligt sich mit 1,75 Millionen Euro, der Flughafen selbst mit 500 000 Euro. Der Rest kommt von den verschiedenen französischen Partnern.

Fertigstellung 2025

Die Studien sind die Voraussetzung für eine trinationale Vernehmlassung, der die sogenannte «Enquête d'utilité publique» folgt, die «Feststellung des öffentlichen Interesses». 2020 könnte dann mit dem Bau begonnen werden – Zeithorizont für die Fertigstellung laut offizieller Projektinternetseite ist 2025.

Geplant ist eine sechs Kilometer lange Neubaustrecke, die die bestehende Bahnstrecke bei Saint-Louis verlässt, zum Flughafen führt und weiter nördlich wieder an die Gleise Richtung Mulhouse angebunden wird. Zu Spitzenzeiten sollen pro Stunde sechs Züge in jede Richtung von und nach Basel fahren. Neben S-Bahnen verkehren hier auch die elsässischen Regionalzüge.

Der Flughafenbahnhof (ganz rechts) soll direkt am Flughafengebäude entstehen. Angefahren werden kann er von Basel wie von Mulhouse.

Der Flughafenbahnhof (ganz rechts) soll direkt am Flughafengebäude entstehen. Angefahren werden kann er von Basel wie von Mulhouse.

Für Basel gehen die Verfechter des Bahnanschlusses von einer Zeitersparnis von 10 Minuten aus, von Mulhouse sind es 20 Minuten. Mit einer Fahrtzeit von 60 Minuten könnte der EAP für Fluggäste aus Strassburg interessant werden. Der öV-Anteil soll von derzeit 30 auf 43 Prozent gesteigert werden, bei den 6000 Mitarbeitern des Flughafens von 17 Prozent auf 27 Prozent.

An eine Anbindung des Schweizer Fernverkehrs ist vorerst nicht gedacht. Das liegt auch daran, dass die Züge derzeit nicht durch die Tunnel der Elsässer Bahn zwischen den Bahnhöfen SBB und St. Johann passen. Und für den Kanton Basel-Stadt verdeutlicht Alain Groff, Leiter Amt für Mobilität: «Unsere Priorität ist die S-Bahn.»

Im Rahmen des Agglomerationsprogramms 2019–2022 wurde der Bahnanschluss als vorrangiger A-Horizont eingereicht. Die Schweizer Finanzierung soll im Rahmen von Fabi im Step-Ausbauschritt 2030 erfolgen. «Der Kostenschlüssel zwischen Frankreich und der Schweiz ist noch offen. Wir erwarten eine Finanzierung des Bundes», erklärt Emanuel Barth, Projektleiter trinationale S-Bahn bei der Agglo Basel. Er geht davon aus, dass der Bundesrat sich frühestens 2018 zu dem Geschäft äussern wird. Die Vorlage würde danach in die Parlamente gehen, mit einer definitiven Entscheidung 2019.

Beteiligung der beiden Basel?

Ursprünglich war von 220 Millionen Euro die Rede – «zu den wirtschaftlichen Bedingungen von 2010 geschätzt», wie Vivienne Gaskell, EAP Mediensprecherin, mitteilt. In diesem frühen Stadium der Planung gibt es allerdings eine Kostenungenauigkeit von 30 Prozent. Schon 2013 waren Schätzungen von umgerechnet 275 Millionen Franken im Umlauf. Die Basler Regierung hat bereits 2009 eine Beteiligung von zehn Millionen Franken am Bahnanschluss in Aussicht gestellt. «Wenn dieser Beitrag tatsächlich benötigt wird, müssen wir noch einen Ratschlag dazu erarbeiten», so Groff. Den gleichen Betrag könnte es auch vom Baselbiet geben – hiess es zumindest einmal von der Regierung.

Der EAP selbst teilt mit: «Zur Finanzierung werden die Diskussionen zwischen Frankreich und der Schweiz im Laufe des Jahres anlaufen. Wer finanziert ist Gegenstand der Diskussionen.» Mit der Ratifizierung des neuen Staatsvertrags zum Steuerstreit dürften die Chancen für die Finanzierung steigen.