Die Euroschwäche macht den Forscherinnen und Forschern der Universität Basel zu schaffen. Jährlich erhalten sie Forschungsgelder aus der EU in Millionenhöhe. 2013 waren es rund 9 Millionen Euro, 2014 sogar 12,6 Millionen Euro. Bei einem momentanen Wechselkurs von knapp Fr. 1.04 ist ein Euro 16 Rappen weniger wert als vor der Auflösung der Kursbindung vor zehn Tagen. Das heisst: 12,6 Millionen Euro sind nicht mehr 15,12 Millionen Franken, sondern nur noch 13,1 wert. «In den nächsten fünf Jahren verliert die Universität durch den schwachen Euro ungefähr 5,8 Millionen Franken», sagt Eva Kramer, Leiterin der Abteilung Finanzdienste der Universität.

Forschende, denen Gelder aus den Programmen der EU zugesichert sind, erhalten den Betrag nicht aufs Mal ausgezahlt. Sie erstatten periodisch, meist jährlich, Bericht über angefallene Kosten in Euro und erhalten diesen Betrag dann rückerstattet. «Alle entstehenden Kosten werden zum Tageskurs umgerechnet», erklärt Kramer. Die Folge: Wem zum Beispiel ein Forschungsbudget mit der Laufzeit von fünf Jahren vor drei Jahren in Euros zugesichert erhalten hat, der wird nun sein Geld viel schneller aufbrauchen. Besonders hart trifft es jene, die kurz vor dem 14. Januar ein Budget erhalten haben, das nun erst beginnt.

Das ist schmerzhaft. Einen Teil der Ausfälle kann die Uni abfedern. Bereits seit 2011, als der Euro drastisch an Wert verlor, ist ein Beschluss des Rektorates in Kraft, der regelt, wie Wechselkursverluste ausgeglichen werden. Bis zu zehn Prozent Währungsverluste tragen die Forschungsgruppen selber – was die zehn Prozent übersteigt, wird aus einem Risikofonds der Universität abgefedert. Die Uni hat in den vergangenen Jahren 5,8 Millionen Franken angespart, die als Gemeinkostenzuschlag – zum Beispiel für Pulte, Computer und Verwaltungskosten – zusätzlich zu EU-Forschungsgeldern ausgezahlt wurden. Davon sind heute aber nur noch 3,8 Millionen Franken verfügbar. Der Rest wurde bereits für den Ausgleich der Wechselkursdifferenzen aufgebraucht. Das schmerze die Uni, sie hätte das Geld lieber zur Erneuerung der Infrastruktur verwendet, sagt Kramer.

Noch keine politische Forderung

5,8 minus 3,8 macht ein Loch von zwei Millionen Franken. Bleibt die Frage offen, wie die Universität diese fehlenden Millionen finanzieren wird. «Wir wissen es noch nicht», schreibt Rektor Antonio Loprieno, er weilt momentan in Paris, auf Anfrage. Weder habe sich die Universität Basel noch der Vorstand von Swissuniversities – so heisst die neue Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen seit dem 1. Januar 2015 – bisher mit der Frage auseinandergesetzt. Es gelte nun noch eine Weile – nicht allzu lange – abzuwarten, bis sich «eine Art Stabilisierung des Wechselkurses» abzeichne, bevor diese politische Frage angegangen werde.

Ein Vorschlag, woher Geld kommen könnte, steht allerdings bereits im Raum. An einem Werkstattgespräch der Handelskammer beider Basel forderte Lonza-Verwaltungsratspräsident Rolf Soiron diese Woche, die Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland sollten die Wechselkursverluste in der Forschung ausgleichen. Diese Forderung kommt allerdings in einem ungünstigen Moment, da beide Kantone momentan entweder Sparmassnahmen umsetzen oder noch diskutieren.

Sicher ist aber, dass die Uni Basel mit dem Problem der Wechselkursverluste nicht alleine da steht. Andere Universitäten wie die ETH Zürich, die ETH Lausanne oder das Cern in Genf trifft die Euro-Schwäche wohl heftiger, da sie stärker in europäische Forschungsprojekte eingebunden sind. 2011 ergriff das Staatssekretariat für Wirtschaft und Forschung (Seco) im Rahmen eines umfassenden Paketes zur Abfederung der Frankenstärke auch Massnahmen für die Forschung. Damals wurde die einmalige Summe von 43 Millionen Franken als Ausgleichszahlung an die internationalen Forschungsprogramme bewilligt. Eine ähnliche Massnahme auf nationaler Ebene ist derzeit nicht in Sicht.