Mit dem Countdown zum neuen Jahr ist auch das Ultimatum der Fahrenden in Basel-Stadt ausgelaufen: Bis Ende 2015 duldete der Kanton die Fahrenden auf dem Ex-Esso-Areal im Hafen. Damit ist jetzt Schluss.

Der Präsident des Verbands Sinti und Roma VSRS, Andreas Geringer, sitzt in einem Café in der Basler Innenstadt. Seinen Wohnwagen hat er für das Treffen mit der bz im Elisabethen-Parkhaus abgestellt. Im April fuhr er mit ein paar Schweizer Fahrenden an die Uferstrasse – und blieb. Mit ihrer Präsenz wiesen sie die Regierung auf ein langjähriges Versäumnis hin: den fehlenden Standplatz in Basel. Diesen fordert der Bund von den Kantonen seit mehr als zehn Jahren, die Fahrenden seit Jahrzehnten. «Meine Eltern haben sich bereits 1991 für einen solchen Platz in Basel engagiert. Seitdem fragten wir wiederholt nach», sagt Geringer. Sein Protest im Frühling verlief ruhig: Er bestand lediglich in der Anwesenheit einiger Fahrender auf dem Industrieareal – wo die Wohnnutzung nicht erlaubt ist. Dennoch warf er hohe Wellen: Eine polizeiliche Räumung drohte, das Präsidialdepartement vermittelte, ein runder Tisch wurde einberufen, eine Zwischennutzung bis Ende 2015 ausgesprochen. Andreas Geringer übernahm die Verantwortung für den fortan selbstverwalteten Platz.

Keine Anschlusslösung

Dieser ist nun Geschichte. Zwar sicherte die Stadt den Fahrenden ab April 2016 ein neues Provisorium zu, doch bis dahin klafft eine Lücke. «In den nächsten drei Monaten sind wir ohne Platz», sagt Andreas Geringer. Dass es nach der Zwischennutzung im Hafen keine direkte Anschlusslösung geben wird, erfuhr er im Dezember. Nicht alle in der kantonalen Verwaltung scheint das zu kümmern. «Uns wurde auch gesagt: ‹Für euch Fahrende ist das kein Problem, ihr seid ja mobil›», sagt Geringer. Diese Aussage kennt Melanie Imhof nicht. Wie die Mediensprecherin des Präsidialdepartements sagt, laufen die Abklärungen für «eine Standortevaluation» seit dem letzten Sommer. «Die Planung einer Übergangslösung hat sich verzögert», sagt Imhof. Wo das nächste Provisorium liegt, will sie nicht bekannt geben: «Mit dem Einreichen eines Baugesuches wird der Standort kommuniziert», sagt Imhof. Es handle sich um dieselbe Fläche wie im Hafen: 750 Quadratmeter. Das reicht für vier bis fünf Wohnwagen.

Trendsporthalle brauche Platz

Und wieso wurde nicht einfach das Ultimatum an der Uferstrasse um drei Monate verlängert? «Die Fläche wird für den Bau einer Trendsporthalle benötigt», sagt Mediensprecherin Melanie Imhof. Erstaunt über diese Begründung zeigt sich Oli Bürgin. Er ist Vereinspräsident von Trendsport und Mitglied des Vereins I-Land, der die Zwischennutzung im Hafen koordiniert: «Wir bekamen nie eine Anfrage vom Präsidialdepartement, ob eine Verlängerung von unserer Seite her grundsätzlich möglich wäre.»

Deshalb parkieren Geringer und zwei weitere Fahrende ihre drei Wohnwagen nun auf einer Brache auf Stadtboden. Wo genau, will er nicht sagen: «Gesehen und geduldet», seien sie. Bislang tauchte die Polizei nicht auf. Und wenn doch? «Dann fahren wir zur nächsten Brache», sagt Geringer. Sie wollen in Basel bleiben, bis der Standplatz eingeweiht ist. Nur den Hafen würden sie meiden: «Wir versprachen, dass wir das Areal per Ende Jahr verlassen. Dafür bekommen wir im nächsten April voraussichtlich ein Provisorium und 2017 einen Standplatz», sagt Geringer.

Im Herbst gab die Basler Regierung bekannt, dass in rund einem Jahr an der Friedrich-Miescher-Strasse gleich neben den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) ein Standplatz für die Fahrenden eröffnet wird. Für Geringer ein grosser Erfolg: «Wir freuen uns sehr, dass die Regierung innerhalb eines halben Jahres nun entschieden hat. Das hat zuvor 40 Jahre lang nicht geklappt.»