Noch haben sie keine Gesichter und keine Namen. Ihr Schicksal aber ist bereits bekannt: Sie sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflüchtet, wo in drei Jahren über 160'000 Menschen starben und täglich weitere umkommen. Sie aber konnten sich in Sicherheit bringen; genauso, wie die knapp 6000 anderen Syrer, die sich in der Schweiz im Asylprozess befinden. Angesichts dieser Zahl sind die zehn bis zwölf noch namenlosen Personen ein Tropfen auf den heissen Stein. Doch was mit ihnen passieren wird, hat Symbolcharakter.

«Papst Franziskus macht sich für mehr Barmherzigkeit stark, das nehmen wir uns zu Herzen», sagt Thierry Moosbrugger von den beiden Basler römisch-katholischen Kirchen. Darum habe sich die Kirche entschlossen, das Sigristhaus der Heiliggeistkirche einer syrischen Grossfamilie für eine unbekannte Dauer zur Verfügung zu stellen, statt das Haus wie geplant zu einer Ertragsliegenschaft umzubauen. Die Kirche könnte jeden Rappen brauchen, aber: «Diakonisches Engagement bedeutet, Raum zur Verfügung zu stellen», sagt Diakonie-Verantwortliche Sarah Biotti.

Keine Gottesdienst-Pflicht für Syrer

Für die kantonale Asylkoordinatorin Renata Gäumann war es eine Erleichterung, als sie nach mehreren Appellen erfuhr, dass die Sozialhilfe eine weitere Flüchtlingsfamilie platzieren kann. «Es ist sehr schwierig, in Basel Wohnraum für syrische Familien zu finden.» Diese seien oft sehr gross und brächten viel Raum.

Ausserdem müssten derzeit recht viele Grossfamilien platziert werden und in den staatlichen Liegenschaften fehle der Platz. Private stellten selten Wohnraum zur Verfügung. Für das Sigristhaus ist eine zehn- bis zwölfköpfige Familie vorgesehen. Es wird eine Familie sein, die bereits in einem betreuten Haus in Basel lebt.

«Die Menschen müssen mit den Regeln in Sachen Alltagsbewältigung wie etwa dem Müllentsorgen vertraut sein, da sie im Sigristhaus selbstständig leben werden», sagt Renata Gäumann. Hauptkriterium sei aber die Grösse der Familie. Die Kirche stellt keine Forderungen. Die Syrer müssten weder Gottesdienste besuchen noch sonst am Kirchenleben teilnehmen, versichert Moosbrugger.

Basel will Vorbild für Schweiz sein

Es ist nicht das erste Mal, dass die katholische Kirche Flüchtlinge dauerhaft unterbringen will. Aber das erste Mal, dass es klappt. Vor einem Jahr stand die Don-Bosco-Kirche in der Breite dafür zur Diskussion, doch es blieb bei der Idee - unter anderem, weil es einen grossen Umbau erfordert hätte. Im Sigristhaus im Gundeli hingegen müssen nur die Wände gestrichen und die sanitären Anlagen geprüft werden. Die Kosten dafür sowie die Miete für das Haus übernimmt die zuständige Sozialhilfe.

Mitte Juni soll die Familie einziehen. Thierry Moosbrugger hofft, dass die Nutzung des Sigristhauses ein «Türöffner» für weitere Liegenschaften der Kirche sein wird - nicht nur in Basel. Dem Bundesamt für Migration ist kein vergleichbarer Fall in der Schweiz bekannt, da die Kantone für kleinere private Unterkünfte zuständig sind und das Amt nicht Buch führt.

Auch die katholische Kirche beider Basel hat von keiner anderen Kirche gehört, dass sie Flüchtlinge fest bei sich aufnimmt. Zwar böten Kirchen immer wieder Übernachtungsmöglichkeiten für Flüchtlinge, meist aber nur für sehr kurze Dauer.

Nebst dem Mangel am Wohnraum werden die Verantwortlichen im Asylwesen mit anderen Problemen konfrontiert: Vor einem Monat etwa versammelten sich im aargauischen Aarburg rund 300 Personen zu einem «Protest-Grillfest» gegen Asylbewerber. Thierry Moosbrugger hofft, dass es in Basel nicht so weit kommen wird, sondern die Anwohner «die Situation als Chance wahrnehmen, andere Kulturen kennenzulernen».