«Diese Schule macht krank», sagt eine Lehrkraft. Schon länger ist bekannt, dass es an der Handelsschule KV Basel Spannungen zwischen Lehrern und der Schulleitung gibt. Inzwischen erreichen die Vorwürfe aus dem Kollegium eine neue Dimension. Per 1. Dezember musste sich eine Lehrerin krankschreiben lassen. Sie ist nicht die erste.

Aber ihr Fall lässt sich in ein Bild einfügen, das mehrere ehemalige und aktuelle Lehrer gegenüber der bz zeichnen: Die Schulleitung habe sich ein System der Macht eingerichtet. Es ist schwer, durchzublicken, wer wem wann Unrecht angetan hat. Die Lehrer reden von «diktatorischen Zuständen», die Schulleitung sieht ihre Hände gebunden, da ihr gegenüber keine konkreten Vorwürfe offen geäussert werden. Die Fronten sind verhärtet. Wie ist es dazu gekommen?

Schneider steuert die Pensen

Vor zwei Jahren kam Marianne Schneider an die Spitze der Schule. Ehemalige Mitarbeiter beschreiben sie als sehr arbeitsam, aber auch als «empathielos». Sie hat einen schwierigen Job: Sie muss das finanziell kriselnde KV bei sinkenden Schülerzahlen wieder auf den richtigen Weg bringen. Die berufsbegleitende Ausbildung, wie sie das KV anbietet, hat etwa mit der Fachhochschule harte Konkurrenz erhalten und ist nicht mehr so gefragt wie früher.

Handelsschule finanziell unter Druck

Fünf Prozent beträgt der Rückgang der Schülerzahlen an der Handelsschule KV Basel zwischen dem Geschäftsjahr 14/15 und 15/16 gemäss Verbandsleiter Jean Spiess. Das setzt die Schule des kaufmännischen Verbands unter Druck. So bemisst sich etwa der Beitrag des Kantons Basel-Stadt anhand der Schülerzahlen. Meistens bewegt sich die Summe um 17 Millionen Franken. Vergangenes Jahr waren es rund 15,7. Die Auswirkungen spüren auch die Lehrerinnen und Lehrer.

Drei Massnahmen, die sie ergriff, stiessen manchen Lehrern besonders auf. Als die Fachvorsteherin für Französisch aus ihrem Schwangerschaftsurlaub zurückkehrte, wurden ihr systematisch Aufgaben zugeteilt, die sie als junge Mutter nicht erfüllen konnte, heisst es. Auch andere kritische Lehrer beschnitt Schneider bei der Pensengestaltung, erzählen ehemalige Angestellte.

Mitspracherecht hätten die KV-Lehrer eigentlich über den VLL gehabt, den Verein der Lehrerinnen und Lehrer des KV. Der vorletzte Schulleiter, Regierungsrat Christoph Brutschin, habe den VLL noch geschätzt: «Brutschin nannte dies die hauseigene Gewerkschaft», erzählt ein ehemaliger Lehrer. Über den VLL hatten die Lehrer auch während über 70 Jahren Einsitz in der Unterrichtskommission, dem Kontrollorgan. Schneider schaffte diesen Status ab, erschuf ein eigenes Gremium, das «Forum». An dessen Sitzungen ist auch sie dabei.

«Der VLL ist mehr eine gesellige Organisation, nicht alle Lehrer sind vertreten. Das Forum ist hingegen repräsentativ», sagt Schneider. Sie wollte sich gestern nur knapp gegenüber der bz äussern, eine ausführliche Stellungnahme ist auf morgen angekündigt. Dafür warnte Schneider in einem Mail an alle Mitarbeiter gestern Abend vor diesem Artikel und dem Angriff «aus bekannten Kreisen».

Manche sagen, die Mitgliedschaft im VLL sei gefährlich. Fakt ist: Die beiden letzten Vorsteher der Organisation stehen im Clinch mit der Schulleitung. Einer wurde frühzeitig pensioniert, die Nachrückende ist die jetzt krankgeschriebene Lehrerin. Inzwischen wurden offenbar auch die Sitzungen des VLL innerhalb der Schulmauern verboten. Vor rund einem Jahr schrieb die «Tageswoche» von einer Umfrage, in der zahlreiche Lehrer ihrem Ärger Luft machten. Schneider schlug die Vorwürfe in den Wind, weil nicht alle Lehrkräfte befragt worden waren.

Viele Fälle vor Arbeitsgericht

Eine eigene Umfrage förderte dann aber zutage: Rund jeder vierte der etwa 120 festangestellten Mitarbeiter am KV ist unzufrieden. 28 verlangten eine professionelle Mediation. «Diese haben wir dann angeboten. Gemeldet hat sich aber nur eine Person», sagt Schneider. Beschweren könnten sich die Lehrkräfte auch bei der regierungsrätlichen Berufsbildungskommission.

Die Dossiers landen dann aber bei deren Präsidentin – und diese heisst Marianne Schneider. Mit ihr scheuen die Lehrer dem Vernehmen nach das persönliche Gespräch – «manche trauen sich nur mit einem Anwalt in ihr Büro», heisst es.

Viel öfter werden Konflikte vor dem Arbeitsgericht ausgetragen. Die bz weiss von mehreren Fällen, in denen Lehrer und auch vereinzelt Angestellte der Verwaltung vor Gericht um ihre Rechte kämpften. Dabei soll die Schulleitung empfindliche Niederlagen eingefahren haben.

Auch finanziell: Die Streitereien, Anwaltskosten und Entschädigungen inklusive, sollen ein Loch von bis zu einer Million Franken in die Kasse des KV gerissen haben. Genau überprüfen lässt sich diese Summe nicht, das KV wollte seine Geschäftsberichte gegenüber der bz nicht offenlegen.