Am letzten Wochenende in den Langen Erlen: Ein knappes Dutzend Menschen schläft auf dem nassen Waldboden, so gut es geht. Es sind Flüchtlinge, die in der Hoffnung auf Sicherheit und Unterkunft nach Basel gekommen sind.

Die jungen Männer sind einige jener Tausenden von Flüchtlingen aus afrikanischen Ländern, die nach Tausenden Kilometern Reise endlich in Mitteleuropa angekommen sind. Genauer gesagt, am Bundesempfangszentrum Basel.

Dort standen sie vor verschlossenen Gittertoren. Die Securitas-Wachen liessen sie nicht hinein ins Trockene. Denn das Zentrum ist nur zu Bürozeiten offen. Wer am Freitagabend kommt, der muss sehen, wie er bis Montagmorgen durchkommt. Denn erst dann wird er aufgenommen.

Nun kann es durchaus ein Abenteuer sein, eine Nacht im Wald zu verbringen. Aber nur, wenn es freiwillig geschieht und man weiss, zu Hause wartet ein warmes Bett. Jene Männer, die am Wochenende in den Langen Erlen übernachteten, froren aber gemäss den Angaben der Flüchtlingsorganisation «Bblackboxx» – trotz der vergleichsweise milden Temperaturen – «erbärmlich».

Und Hunger hatten sie auch, während sie unter Bäumen und Vordächern an der Freiburgerstrasse vor dem strömenden Gewitterregen Zuflucht suchten.

Kein Spielraum für EVZ-Leiter

Roger Lang, der Leiter des Empfangs- und Verfahrenszentrums (EVZ), kann an diesen Zuständen nichts ändern: «Unsere Öffnungszeiten sind in der Verordnung zum eidgenössischen Asylgesetz festgelegt.» Und in der Tat, im Artikel 8 der Verordnung steht: «Die Empfangs- und Aussenstellen sind für die Aufnahme von Asylsuchenden und Schutzbedürftigen von Montag bis Freitag durchgehend von 8 bis 17 Uhr geöffnet.»

Wer also am Freitagabend nach Büroschluss kommt, der muss sehen, wo er bis Montagmorgen bleibt. Das ist insbesondere in Situationen wie am letzten Wochenende heikel, wenn das EVZ ohnehin komplett überlastet ist. Ausnahmen für die rigorose Zugangsregelung gibt es: «Vulnerable Personen finden bei uns zu jeder Zeit Aufnahme.» Das heisst, nur die jungen Männer müssen draussen schlafen. Frauen, insbesondere mit Kindern, und alte Menschen dürfen auch nachts ins EVZ.

Aber das Hauptproblem ist, nach Auskunft aller Stellen von Bund und Kanton, die extreme Auslastung der Zentren in der ganzen Schweiz. So hat auch SP-Grossrätin Sarah Wyss nur Vorschläge für die Symptombekämpfung: «Schlaf-Gutscheine für die Notschlafstelle könnten sinnvoll sein. Das wäre aus humanitären Gründen sicher gut. Es löst aber das zugrunde liegende Problem nicht.» Das gehe nur über eine Beschleunigung der Verfahren, die die Asylzentren entlasten würde.

Nationalrätin Silvia Schenker (SP) will dagegen direkt etwas gegen die begrenzten Öffnungszeiten unternehmen: «Ich werde eine Anfrage an den Bundesrat richten, ob er es nicht als sinnvoll erachtet, die Öffnungszeiten der EVZ zu erweitern, um solche Situationen zu vermeiden.» Im Hinblick auf die anstehenden Neustrukturierungen im Asylwesen sei es dafür der richtige Zeitpunkt.

Auch im Wald Probleme

Übrigens sind die Flüchtlinge auch ausserhalb des EVZ gemäss «Bblackboxx» nicht sehr willkommen: «Die Neuankömmlinge erzählen uns immer wieder, dass sie von der Securitas angewiesen werden, sich nicht im Gebiet aufzuhalten.» Auch die Polizei kontrolliere die Umgebung des EVZ, das sich in direkter Nachbarschaft zum Gefängnis Bässlergut befindet, ziemlich oft.

Denn Gruppen junger Männer, die nachts im Wald herumziehen, sorgen bei den Anwohnern für mulmige Gefühle. Wie mulmig es den Flüchtlingen dabei ist, in einem fremden Land statt in einem warmen Bett unter einem regennassen Baum übernachten zu müssen, sieht man ihnen nur schwer an.