Seit Ende Jahr fehlt den Fahrenden im Kanton Basel-Stadt ein Platz, auf dem sie ihre Wohnwagen abstellen können (bz berichtete). Am 31. Dezember mussten sie das Ex-Esso-Areal im Hafen verlassen. Das Provisorium, das die Stadt ihnen zugesichert hat, können sie erst ab April beziehen. Deshalb stehen seit drei Wochen drei ihrer Wohnwagen auf dem ehemaligen Rangierbahnhof der Deutschen Bahn.

Zum Ärger von Pro Natura Basel, wie das Regionaljournal von Radio SRF am Montagabend berichtete. Denn die 2,3 Hektar grosse Wiese, auf der die Wohnwagen parkiert sind, ist im Naturinventar des Kantons Basel-Stadt. Die Wiese ist Lebensraum von seltenen Tieren, wie der Schlingnatter oder Eidechsen-Arten und es wachsen dort seltene Pflanzen. «Die Fahrenden zertreten diese Pflanzen und Tiere», sagt Thomas Schwarze von Pro Natura gegenüber dem Regionaljournal. Aber nicht nur: Ihre Wohnwagen würden zudem Schatten auf den Boden werfen, was die Organismen auf der Wiese «überhaupt nicht vertragen». Schwarze verlangt deshalb, dass die Fahrenden die Wiese so schnell wie möglich verlassen.

Aufforderung zum Gehen

Beim Kanton war bis zum Montag niemandem bewusst, dass die Wohnwagen in einer Naturschutzzone parkiert sind: «Wir haben durch die Anfrage des Regionaljournals erfahren, dass sie auf dem Areal des ehemaligen Rangierbahnhofs der Deutschen Bahn stehen», sagt Melanie Imhof, die Mediensprecherin des Präsidialdepartements. Gestern Dienstag hat man das Gespräch mit den Fahrenden gesucht.

«Dabei wurden sie aufgefordert, die Naturschutzzone zu verlassen.» Es wurde ihnen keine Alternative in der Stadt angeboten. Imhof verweist auf den Ersatzstandort, den die Fahrenden ab April beziehen können. Wo genau dieser Ersatzstandort hinkommt, darüber wollen das Präsidial- und das Bau- und Verkehrsdepartement nach der Fasnacht informieren.

Andreas Geringer, der Präsident des Verbands Sinti und Roma VSRS, der seinen Wohnwagen auf der Wiese abgestellt hat, ist sich bewusst, dass sie auf dem Areal eigentlich nicht sein dürften: «Wir sind einfach dort hingefahren, um nicht zu stören.» Er habe nicht gewusst, dass es sich um ein sensibles Stück Natur handle.

Unterdessen stehen die drei Wohnwagen nicht mehr auf der Wiese beim alten Rangierbahnhof. Nach dem Gespräch mit dem Kanton Basel-Stadt seien sie weggefahren und nun auf «Baselbieter Boden», sagt Geringer. Das, obwohl er in der Vergangenheit mehrmals betonte, dass er die Stadt nicht verlassen werde, bis die Fahrenden einen offiziellen Platz bekommen. Nun hat er sich umentschieden – dem Frieden zuliebe: «Ich möchte nicht ‹trötzeln› und damit die gute Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt aufs Spiel setzen.» Gegangen sei er aufgrund der Weisung des Kantons, nur wegen Pro Natura hätte er die drei Wohnwagen nicht weggefahren.

Die Reise geht weiter

Bis im April sind die Fahrenden also noch gezwungen, irgendwo eine Brache oder einen Parkplatz für ihre Wohnwagen zu finden. Auch im Baselbiet seien sie nicht auf einem offiziellen Platz. Allerdings nicht, weil es dort keinen gäbe, sondern weil das Baselbieter Gesetz keine ausländischen Fahrenden auf den Plätzen duldet. Damit Andreas Geringer im Baselbiet mit seiner Frau – einer ausländischen Roma – zusammenleben kann, muss er auf inoffizielle Plätze ausweichen. «Mir ist es auch unangenehm, dass wir Grundstücke in Beschlag nehmen müssen», sagt er. «Aber irgendwie müssen wir uns ja wehren.»

Und obwohl erst ein paar Stunden auf Baselbieter Boden, hatten die Fahrenden bereits Kontakt mit der Polizei, die ihnen mitteilte, man könne sie hier nicht lange dulden.