«Die Fahrenden dürfen einen Monat im Hafen bleiben»: So glättete die Basler Regierung Mitte April die Wogen und zog die angedrohte Räumung zurück. Diese Frist ist am vergangenen Freitag abgelaufen. Passiert ist nichts. Zumindest nichts Offizielles. «Wir warten auf eine Antwort des Kantons. Bislang erhielten wir keine Informationen zu unserem Provisorium», sagt Andreas Geringer.

Er fuhr vor einem Monat mit seiner Familie nach Basel und parkierte seinen Wohnwagen auf dem Ex-Esso-Areal im Hafen. Gemeinsam mit einer Handvoll anderen Fahrenden protestierte er für den ausstehenden Standplatz in der Stadt. Der Kanton hatte es jahrelang versäumt, diesen umzusetzen – obwohl dies der Bund fordert und der kantonale Richtplan festschreibt. Unterstützung erhielten die Fahrenden von einer Privatperson. Diese bot ihnen mehrere Grundstücke für eine temporäre Nutzung an. Denn seit die Fahrenden im Hafen sind, sucht der Kanton nach zwei Standorten: für einen provisorischen und für den definitiven Standplatz.

Der Ball liegt bei der Regierung

Eine Lösung kann der Kanton auch nach Ablauf der selbst gesetzten Frist nicht vorlegen. «Es werden nach wie vor verschiedene Orte geprüft – spruchreif ist noch nichts», sagt Melanie Imhof, Sprecherin des Präsidialdepartements. Dabei bietet besagte Privatperson seit knapp einem Monat Hand – zumindest für die Übergangslösung. «Der Ball liegt beim Kanton. Dieser muss grünes Licht geben. Wir könnten seit einem Monat auf dem Gelände der Privatperson unsere Wohnwagen hinstellen», sagt Andreas Geringer. Auch dieser Standort sei Teil der Abklärungen, heisst es beim Präsidialdepartement.

«Ich verlasse mich auf das Wort von Regierungspräsident Guy Morin.»

Venanz Nobel, Jenischer Verein «Schäft Qwant»:

«Ich verlasse mich auf das Wort von Regierungspräsident Guy Morin.»

Weshalb es nicht schneller vorwärtsgeht, begründet Melanie Imhof so: «Es ist nicht so einfach, wie es klingt. Es gibt in der ganzen Stadt kein Grundstück, wo keine Abklärungen nötig wären.» Über die Identität des privaten Gönners schweigen sich sowohl der Kanton als auch die Fahrenden aus. Nur so viel ist zu erfahren: Dieser biete sein Grundstück aus Sympathie zu den Fahrenden an, sagt Geringer. Zudem handle es sich um Bauland, das aber nicht in einer Wohnzone liege. «Wir würden dort niemanden stören», sagt Geringer. Er würde eigentlich gerne weiter fahren. Doch so lange es in Basel keine Lösung gibt, bleibt er mit seiner Familie. Zu gross ist die Befürchtung, dass ohne ihre Präsenz die Suche in die untere Hälfte der Pendenzenliste des Kantons fällt.

Regierung muss Antworten liefern

Das schleppende Tempo der Evaluierung will auch Martina Bernasconi vorantreiben. Die GLP-Grossrätin hat Verständnis für die Forderungen der Fahrenden: «Sie bestehen auf ihrem Recht. Der Kanton arbeitet zu langsam, was nicht in Ordnung ist.» Deshalb hat Bernasconi eine Interpellation zum Standplatz eingereicht. «Die Regierung muss jetzt Stellung beziehen», sagt sie und fordert eine Begründung, wieso im Hafen keine Zwischennutzung möglich ist. Zudem will sie mit dem Lysbüchel-Areal einen weiteren Standort klären: «Dieses Areal ist zumindest eine Option für eine Zwischennutzung, wenn nicht sogar für einen fixen Standplatz. Es befindet sich im Umbruch», sagt Bernasconi. Ihre Interpellation wird entweder morgen Mittwoch mündlich im Grossen Rat - oder aber in einem Monat schriftlich beantwortet.

In der Zwischenzeit dürfen die Fahrenden im Hafen bleiben. Vom Ablauf der Frist will man im Präsidialdepartement nichts wissen. «Wir stellten kein Ultimatum. Die Abklärungen dauern einfach länger, bis wir den temporären und fixen Standplatz evaluiert haben», sagt Melanie Imhof. Für die Fahrenden ist die Verzögerung keine Überraschung. «Mich erstaunt es nicht, dass innert der Monatsfrist keine Lösung vorliegt. Wer 30 Jahre lang auf einen Platz gewartet hat, macht sich keine Illusionen», sagt Venanz Nobel vom jenischen Verein «Schäft Qwant». Für ihn ist zentral: «Ich verlasse mich auf das Wort von Regierungspräsident Guy Morin, dass es keine Räumung gibt, solange nicht klar ist, wie es weiter geht.»