2015 wurden 67 Millionen Euro in die Verbesserung der Sicherheit des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim investiert, 2016 schlagen die beiden Stopps für den Austausch der Brennelemente noch einmal mit 67 Millionen Euro zu Buche. Die seit dem Wahlversprechen des linken französischen Präsidenten François Hollande von 2012, das AKW im Laufe seines Mandats abzustellen, laufenden Diskussionen, scheinen die Arbeiten im Kraftwerk nicht grundsätzlich zu beeinflussen.

Sicherheit bis zum letzten Tag

«Meine Aufgabe ist es, bis zum letzten Tag die Sicherheit der Anlage zu gewährleisten», sagte Marc Simon-Jean, seit 1. April 2015 Direktor von Fessenheim, am Mittwoch im Rahmen der gut besuchten Jahresmedienkonferenz im Informationszentrum des AKW. «Wir haben das Gesetz umzusetzen, aber keine politischen Entscheidungen zu treffen», fuhr er fort.

Ein neues Gesetz schreibt in Frankreich vor, dass bei der Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors EPR im nordfranzösischen Flamanville ein bestehendes AKW abgestellt werden muss. Bereits im Herbst teilte Electricité de France (EDF), die Betreiberfirma der französischen Atomkraftwerke, mit, dass als einzige Hypothese dafür das Aus von Fessenheim untersucht werde. Umweltministerin Ségolène Royale verpflichtete EDF, sich bis zum Juni 2016 festzulegen, welches AKW definitiv abgestellt wird.

Damoklesschwert

Offen bleibt, wann. Laut Marc Simon-Jean ist die Inbetriebnahme des EPR Ende 2018 geplant, es war aber auch schon von 2020 die Rede. Auf die Frage, wie es sich mit dem Damoklesschwert der Schliessung über dem Kopf arbeite, antwortete der Direktor: »Unsere Ergebnisse zeigen, dass das gut geht, auch wenn die Beschäftigten unter der Unsicherheit leiden.»

Tatsächlich hat das AKW, das aus zwei Blöcken zu je 900 Megawatt besteht, 2015 mit knapp 13 Terawattstunden das zweitbeste Produktionsergebnis seit Bestehen erzielt und erzeugt so 90 Prozent der im Elsass konsumierten Elektrizität von 14 Terawattstunden. Da weitere acht Terawattstunden in den elsässischen Wasserkraftwerken hergestellt werden, produziert die Region mehr Strom als sie verbraucht.

Nächstes Jahr erwartet Simon-Jean eine geringere Produktion von zehn Terawattstunden. Während des Brennelementewechsels, bei dem pro Block um die 3000 Personen auf dem Kraftwerksgelände arbeiten werden, steht die Anlage 150 Tage still.

Die Sicherheitsinvestitionen im Jahr 2015 bestehen zu 25 Millionen Euro aus Unterhaltsarbeiten. Für fünf Millionen Euro wurde unter anderem die elektrischen Leitungen neu verlegt, immerhin 35 Millionen Euro wurden für die Reduzierung der Einleitung von Borsäure investiert. Marc Simon-Jean betonte ausserdem, dass die nach dem Unglück von Fukushima von der Aufsichtsbehörde Autorité de Sûreté Nucléaire (ASN) geforderten 65 Sicherheitsmassnahmen in Fessenheim bereits umgesetzt seien. «Bestimmte Gebäude sind jetzt besser vor Überschwemmung geschützt», sagte der Direktor.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Fessenheim für das Elsass ist gross. Dies mag auch erklären, weshalb viele bürgerliche elsässische Politiker, die in der Region die Mehrheit haben, sich mit Händen und Füssen gegen das Aus von Fessenheim wehren. Das AKW beschäftigt laut Simon-Jean ständig 1100 Personen und generiert indirekt 2000 Arbeitsplätze. Ausserdem vergibt der Betreiber im Jahr 60 Millionen Euro an Aufträgen, die zu einem Drittel an Firmen in Ostfrankreich gehen.

Des Weiteren zahlte das AKW 2015 immerhin 47,8 Millionen Euro an Steuern. Wie viel davon genau im Elsass bleibt oder dorthin wieder zurückfliesst, konnte der Direktor nicht sagen, aber es dürfte ein erheblicher Anteil der Summe sein.