Im Stockerhof im Zentrum von Zürich besitzt die Basler Kantonalbank (BKB) ihre grosse Ertragsquelle. Es war der frühere BKB-Direktionspräsident Werner Sigg (73), der im Januar 1997 risikofreudig den Sprung über die Kantonsgrenze wagte und die Zürcher Filiale etablierte.

Doch der Stockerhof, in dem bis vor kurzem eine Crew von Ex-Volksbankern unter der Leitung von Hans Ringger schalten und walten konnte, ist zum Problemhof geworden. Aus persönlicher Sicht rät die Basler SP-Grossrätin und GPK-Präsidentin Dominique König-Lüdin angesichts der grossen Risiken zu prüfen, ob die Zürcher Filiale fernab der Basler Zentrale geschlossen werden sollte.

Die Sozialdemokratin hat Recht: Die Filiale ist in den letzten Monaten ins Gerede gekommen. Mit dem Titel «Die 5er-Clique der Basler KB trieb es bunt in Zürich» brachte es das Finanznews-Portal In$ide Paradeplatz auf den Punkt.

So waren die Zürcher federführend im Fall der US-Kunden der UBS, denen die BKB Asyl bot. Seither liegt die Staatsbank im Clinch mit den US-Behörden. Selbst für Sigg ist es «unbegreiflich», dass diese UBS-Kunden an die BKB-Kunden «entsorgt» werden konnten.

Heute steht die BKB wie die Credit Suisse, Julius Bär oder ZKB auf einer Liste der US-Behörden von Banken mit Geldern von Kunden, die in den USA steuerpflichtig waren. Mit rund 400 bis 500 Millionen Franken steht die Basler Staatsbank zwar am Ende.

Der Imageschaden ist aber ebenso gross wie die Ungewissheit, mit welcher Strafe die Bank, die über eine «vollumfängliche Staatsgarantie» verfügt, zu rechnen hat. «Die BKB steht im Kontakt mit den zuständigen US-Behörden, sagt BKB-Sprecher Michael Buess. Und ergänzt: «Wir haben keine Anzeichen, dass es zu einer Anklage gegen die Bank kommt.»

Die Zürcher Filiale war nicht nur im Bereich des US-Falls federführend, sondern auch für die Tatsache, dass die BKB zu einer Depotbank der ASE Investment AG wurde. Gegen die ASE läuft derzeit ein Strafverfahren wegen Vermögensdelikten.

Mit einer Vorwärtsstrategie hat die BKB in dieser Sache vorerst Ruhe schaffen können: Sie beauftragte die Zürcher Anwaltskanzlei Bär & Karrer «eine umfassende Abklärung der Vorgänge rund um den unabhängigen Vermögensverwalter ASE Investement AG» vorzunehmen.

Die externe Untersuchung durch Andreas Länzlinger, Partner von Bär & Karrer, soll kein Gefälligkeitsgutachten werden. Bislang habe die Bank mit der Anwaltskanzlei nicht zusammengearbeitet, heisst es intern. Die Dauer der «unabhängigen Untersuchung» liegt laut Buess «in der Kompetenz von Bär & Karrer, die Zugriff auf alle Unterlagen und Daten» habe.

Personell hat die Bankleitung in Zürich durchgegriffen: Ringger (63) trat im Januar als Leiter der Zürcher Filiale zurück und wurde interimistisch durch Roman Seiler ersetzt. Der für die US-Kunden zuständige Berater wurde letzten Sommer beurlaubt.

Ein anderes Kadermitglied, für die externen Vermögensverwalter zuständig, wurde ebenfalls beurlaubt. Zudem wurde die Filiale strategisch und organisatorisch neu ausgerichtet: Das Private Banking Zürich soll künftig stärker in die Gesamtorganisation der Bank integriert und vermehrt auf die Betreuung vermögender inländischer Privatkunden ausgerichtet werden. Die Suche nach einem neuen Chef läuft. Das Stellenprofil beinhalte die Leitung des Standorts in personeller, fachlicher und organisatorischer Hinsicht sowie punkto Neuausrichtung, sagt Buess.

Um eine bessere Kontrolle über die Filiale zu besitzen, war sie laut Sigg 1997 absichtlich nicht als selbstständige Einheit organisiert worden. So habe die Zentrale sie besser kontrollieren können. Angesprochen auf die heutigen Probleme, betont Sigg, dass er seit acht Jahren in Pension sei.

Er schätzt aber, dass das Ganze wohl mit der Führung der Filiale zu tun habe. Seit Siggs Zeiten war Zürich unter der direkten Aufsicht des BKB-Direktionspräsidenten – also bis vor kurzem von Hans Rudolf Matter (58).

Seit Oktober 2011 ist Dominik Galliker (50) Chef des Private Banking bei der BKB und neu für die Zürcher Filiale verantwortlich. So soll das Private Banking künftig aus einer Hand geführt werden. Ob dies genügt, um Politikerinnen wie Dominique König-Lüdin zu beruhigen, wird sich weisen.

Für Sigg steht jedenfalls fest, dass der ertragreiche Standort Zürich auf keinen Fall geschlossen werden sollte: «Man sollte die Probleme lösen und analysieren, wie sie entstanden sind», sagt Sigg.

Sein Nachfolger Hans Rudolf Matter, ab 2004, hat es nicht einfach. Er kämpft mit den Imageproblemen durch den US-Streit und der noch offenen Analyse, ob die BKB im Umfeld der ASE Investment AG sauber gearbeitet hat. Mit Auswirkungen: Der PS der BKB verlor seit Mai 2011 über 22 Prozent an Wert.

Punkto Führungswechsel waren die Basler in früheren Jahren überhaupt nicht zimperlich. Anfang der 90er-Jahre mussten Lukas «Cheese» Burckhardt als Präsident des Bankrats und Hans-Jürg Gallusser als Präsident des Direktoriums ihre Sessel räumen.

Nach der Immobilienkrise war ein Rückstellungsbedarf von fast 150 Millionen Franken wegen fauler Kredite festgestellt worden. Paradefall war der damalige Basler Immobilienkönig Philipp Maeder, der der Bank Baukreditmittel entlocken und zweckentfremden konnte. Nach dem Tod Maeders besitzt die BKB laut öffentlichem Inventar des Erbes noch wertlose Verlustscheine in Höhe von 32 Millionen Franken.

Trotz der heutigen Probleme stehen an oberster Stelle, auch nicht bei Matter, keine Wechsel an: «Der Bankrat steht uneingeschränkt hinter dem Management der Bank», betont Buess.