Die Liste der Vorwürfe aus der Lehrerschaft gegenüber der Leitung der Handelsschule KV Basel ist lang. Die bz berichtete gestern darüber, wie Schulleiterin Marianne Schneider den wirtschaftlichen Druck auf ältere Lehrer überwälze. Mit der Pensengestaltung sollen diese beschnitten um schliesslich durch Jüngere ersetzt zu werden, berichten mehrere ehemalige und aktuelle Lehrer. Zudem sorge Schneider dafür, dass die Lehrer sich nicht kritisch äussern können. Gegenüber der bz hat Schneider im gestrigen Artikel eine umfassende Stellungnahme angekündigt – aber nicht nur dort: Auch in einem vorgestern intern verschickten Mail äusserte sie sich vorgängig zu «angeblichen Problemen an unserer Schule».

In ihren Antworten auf die Fragen wird deutlich, dass sie ihren Standpunkt weiter vertritt: «Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeitenden ist zufrieden mit den Anstellungs- und Arbeitsbedingungen und hat ein gutes Verhältnis zu Schulleitung.» Es herrsche keine schlechte Stimmung, höchstens ein «subjektiv als suboptimal empfundenes Wohlfühlklima».

Dass sie die Pensen als Führungsinstrument missbraucht habe, weist Schneider entschieden zurück. Sie führt die Widerstände aus dem Kollegium hingegen auf eine Gruppe von Lehrern zurück, die mit ihren wirtschaftlichen Massnahmen nicht zufrieden sei. Das KV Basel kämpfte in den vergangenen Jahren mit rückläufigen Schülerzahlen im Bereich der Grundbildung, zudem setzen «kantonale Sparvorgaben» der Finanzlage zu.

Schneider reagierte darauf mit «Sanierungsmassnahmen». Eine davon ist die Umstellung von fixen Verträgen auf Pensenbänder. Manche Angestellte monieren, dass damit der Kampf um die nötigen Stunden entbrannt sei, Schneider hingegen spricht von einer «breit abgestützten Lösung» und sagt: «Die Alternative wären Entlassungen oder Pensenabbau bei Einzelpersonen gewesen»

Zu reden gab auch der Abbau von hohen Überstundeguthaben der Lehrerinnen und Lehrer. «Diese werden von gewissen Lehrpersonen quasi als vierte Säule betrachtet, die der Arbeitgeber nicht antasten sollte», sagt Schneider. Zudem müssen voll bezahlte Lektionen, die nach der Abschlussprüfung ausfallen, neu kompensiert werden. «Das wird zum Teil als Zumutung empfunden, obwohl es betriebswirtschaftlich die einzig sinnvolle Lösung ist». Schneider räumt zwar ein, dass sich in den vergangenen zwei Jahren zwei Lehrkräfte krankschreiben mussten und zwei Kündigungen in einem Schlichtungsverfahren endeten. Bei den Aufständischen handle es sich aber um Einzelfälle und die kolportierte Summe von einer Million Franken, die das KV in Streitfällen verloren haben soll, stimme nicht. Auf den Vorwurf, mit dem Verein der Lehrerinnen und Lehrer (VLL) ein langjähriges internes Aufsichtsorgan auszubooten und dessen Sitzungen in der Schule zu verbieten, entgegnet Schneider: «Wir vermieten Schulräume für Unterrichtszwecke, nicht für Versammlungen.»

Der Kanton wird ungeduldig

Kritik erwartet Schneider nun von neuer Seite: Dem Erziehungsdepartement (ED) scheint nämlich der Geduldsfaden allmählich zu reissen. «Das ED hat auch nach einem runden Tisch regelmässig in Gesprächen mit dem Vorstand des KV auf die Probleme hingewiesen», sagt Sprecher Simon Thiriet. Zu Einzelfällen könne man keine Stellung nehmen, doch könne das ED die «dargestellte Situation nicht begrüssen».

Ulrich Maier leitet den Bereich Berufsbildung und Mittelschulen im ED. Ihm sind die Vorgänge im KV wohl bekannt. Auch hier wird Thiriet deutlich: «Herr Maier wurde von einzelnen Lehrpersonen kontaktiert, aber von den Betroffenen um absolute Verschwiegenheit gebeten.» Den betroffenen Lehrpersonen wurde geraten, den Weg zu den Vorgesetzten beim Vorstand des KV zu suchen. «Die Verantwortung für die Führung der Handelsschule KV Basel liegt beim Vorstand des kaufmännischen Verbands. Wir erwarten, dass der Verband seine Verantwortung wahrnimmt», sagt Thiriet. Zu den von Schneider angesprochenen Sparvorgaben vonseiten des Kantons sagt Thiriet: «Diese bewegten sich einmalig im Bereich von einem Prozent unserer Beiträge an das KV».

Es ist klar, warum das ED Druck aufsetzt: Jährlich kauft sich Basel-Stadt die bezogenen Leistungen vom KV für einen Betrag von rund 17 Millionen Franken ein. Eine Alternative ist indes nicht in Sicht, kaum eine andere Privat-Institution verfügt über die nötige Infrastruktur, die Grundbildung für so viele Lehrlinge anzubieten.

Das sagt auch Martin Briner, Sprecher der Basler Bildungsgruppe. «Es ist nicht realistisch, dass der Kanton diese Leistungen neu vergibt.» Briner ist als Gesamtleiter der Basler Schulen auch für das NSH Bildungszentrum zuständig. «Wenn das ED aber auf die NSH zukäme, würden wir die Nachfrage selbstverständlich prüfen.»