Mama Zahn, Papa Zahn und das Zahnkind stehen lachend unter einem Dach: Mit diesem Logo und dem Slogan «Ja zu sozialer Zahnmedizin mit universitärer Qualität» haben gestern die Befürworter des neuen Basler Zentrums für Zahnmedizin den Abstimmungskampf eröffnet. Das Dach, unter dem die lächelnde Zahnfamilie posiert, soll per Gesetz geschaffen werden: Am 8. März stimmen die Baslerinnen und Basler über das «Gesetz über das Universitäre Zentrum für Zahnmedizin Basel» ab.

Das Gesetz sieht die Auslagerung der Volks- und Schulzahnkliniken aus der Kantonsverwaltung vor. Diese sollen mit dem Universitären Zentrum für Zahnmedizin in eine öffentlich-rechtliche Institution überführt werden. Das neue Zuhause der Familie Zahn, das Basler Zentrum für Zahnmedizin, soll der Campus Rosental sein. Dort baut die Uni ihre Zahnklinik neu. Die Regierung und eine Mehrheit des Grossen Rates haben sich für die Auslagerung ausgesprochen.

In der Befürworter-Allianz haben sich alle Bürgerlichen inklusive der Jung-Parteien, die Handelskammer, der Arbeitgeberverband und die Basler Sektion der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO zusammengeschlossen. «Das Rad wird nicht neu erfunden», sagte FDP-Grossrat David Jenny, Co-Präsident der Allianz. Das Corporate-Governance-Modell lehne sich an das Gesetz über die öffentlichen Spitäler an. «Dieses hat sich bewährt.» Zudem ermögliche die organisatorische Zusammenführung eine soziale Zahnmedizin mit universitärer Qualität. GLP-Präsident David Wüest Rudin betonte, dass die neue Institution weiterhin dem Kanton gehört.

Gegner fürchten Abbau

«Die Basler Allianz bekennt sich zur sozialen Zahnmedizin», betonte auch LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein. «Wenn wir das Gesetz ablehnen, setzen wir die soziale Schulmedizin aufs Spiel.» SVP-Grossrat Lorenz Nägelin betonte, dass mit dem neuen Zentrum drei sanierungsbedürftige Standorte in einem modernen Kompetenzzentrum zusammengeführt würden, was zu einer Steigerung der Behandlungsqualität führe. Rolf von Aarburg, Co-Präsident der CVP, legte den Schwerpunkt auf die Ausbildung: Der Austausch von Fachwissen werde verbessert, wenn alle unter einem Dach seien, davon würden auch die Studierenden profitieren.

Wenig Freude werden die Kampagne und der Slogan «Ja zu sozialer Zahnmedizin» den Gegnern der Vorlage bereiten, also der SP, Basta, den Grünen sowie der Gewerkschaft VPOD. Sie befürchten, dass mit einer Annahme genau das Gegenteil passiert, dass die soziale Zahnmedizin und die Schulzahnmedizin unter wirtschaftlichen Druck geraten könnten und dass sich für die Angestellten die Arbeitsbedingungen verschlechtern. Sie fordern daher in der Nein-Kampagne «Zahnmedizin muss bezahlbar bleiben!» Die linken Parteien waren schon in der Vernehmlassung dem neuen Gesetz gegenüber kritisch und haben erfolgreich das Referendum ergriffen. Sie sähen eine vertragliche Vereinbarung der universitären Zahnmedizin mit dem Kanton lieber als eine Auslagerung.

Gesetzliche Grundlage bleibt

Ob das neue Basler Zahnmedizin-Zentrum kommt oder nicht, ändert nichts an der gesetzlichen Verpflichtung des Kantons, die soziale Zahnpflege zu gewährleisten. David Jenny befürchtet: «Eine Ablehnung würde die Debatte eröffnen.» Denn es gäbe auch Alternativen zum heutigen Modell. Möglich wäre zum Beispiel auch, ein Gutschein-Prinzip einzuführen. Wer sich den Zahnarzt nicht leisten kann, erhält einen Gutschein, mit dem er sich bei irgendeinem Zahnarzt behandeln lassen kann.

Allerdings stehen auch die praktizierenden Zahnärzte hinter dem neuen Zahnmedizin-Zentrum – also diejenigen, die von zusätzlichen Patienten profitieren würden.