Samstagnachmittag. Schüchtern drückt die Sonne durch den sonst bedeckten Riehener Himmel. Dies reicht, um die Menschen in den Wenkenpark zu locken. Der über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Park zieht alle an, die dieses einmalige Ambiente der Stille an der frischen Luft geniessen möchten.

Doch die Ruhe ist bedroht. Der Riehener Gemeinderat will den Wenkenmattweg durch den Wenkenpark für Velofahrer öffnen, um vor allem velofahrenden Kindern und Familien eine sichere Alternative zur Bettingerstrasse zu bieten. Beim nachmittäglichen Spaziergang stets aufmerksam sein, um nicht von einem Velofahrer, der es eilig hat, überrascht zu werden? «Nicht mit uns!», dachten sich nach Bekanntwerden viele Riehener. Die Leserbriefspalten in der Lokalzeitung sind voll und auch im Einwohnerrat sorgte das Thema mehrfach für Diskussionen.

SVP-Einwohnerrat Peter A. Vogt geht in seinem Ärger gar so weit, dass er von jenen Gemeinderäten, die der Öffnung zustimmten, bei einem Unfall den Rücktritt und eine Busse von je 10 000 Franken verlangt.

Unübersichtliche Kreuzung

Auch Wenkenpark-Anwohner und EVP-Einwohnerrat Alfred Merz wehrt sich gegen die Pläne des Gemeinderats. Besonders ärgert ihn die Aussage von Tiefbauchef Guido Vogel (SP), wonach das Velofahren auf dem Wenkenmattweg im Park bergwärts bereits gestattet sei. «Das stimmt so nicht!», sagt er geharnischt und zeigt auf mehrere Schilder mit rundem Kreis und weissem Inhalt. «Allgemeines Fahrverbot im ganzen Park», steht gleich mehrfach an den Eingängen zum Park geschrieben.

Merz und Vogt besuchten am vergangenen Samstag den Ort des Geschehens. Am Fusse der Wenkenhof-Villa führt der betroffene Wenkenmattweg vorbei. Er hat ein stetes Gefälle und verläuft auf knapp 400 Metern durch den Wenkenpark. «95 Prozent der Velofahrer fahren normal. Um die geht es uns nicht», erklärt Vogt. Doch es gebe überall die fünf Prozent, die sich nicht an die Regeln hielten. «Und gerade da wird es gefährlich», sagt der SVP-Einwohnerrat und zeigt auf die Wegkreuzung vor der runden Brücke zwischen Villa und Reithalle.

«Eine Oase der Ruhe»

Die Kreuzung sei aufgrund der Bepflanzung und der Krümmung des Wenkenmattwegs unübersichtlich und deshalb gefährlich, sind Vogt und Merz überzeugt. «Man könnte ja eine Ampelanlage oder einen Kreisel aufstellen», scherzen beide mit Spaziergängern. «Wer hält sich schon ans Schritttempo?», fragt ein Mann, der selber angibt, häufig mit dem Velo unterwegs zu sein. Vogt und Merz erhalten viel Zustimmung für ihr Anliegen.

«Ich bin grundsätzlich schon für Velos – aber doch nicht hier», ärgert sich ein älterer Mann mit seiner Frau. Der Wenkenpark sei eine «Restanz, eine Oase der Ruhe in der heute schnelllebigen Zeit». Und diese Ruhe gelte es zu schützen und zu wahren. In diesem Falle auch vor Velofahrern. «Wenn hier Velos den Berg runterfahren, kann man die Kinder ja nicht mehr frei herumlaufen lassen», moniert die Frau.

Mit Schritttempo sollen die Velos gemäss Gemeinderat durch den Wenkenpark fahren. «Sie haben gesagt, sie wollen dies kontrollieren», lacht die Frau hämisch. «Das ist doch ein Witz!» Der Mergelweg sei keine adäquate Alternative zum geteerten Wenkenmattweg, wie der Gemeinderat meinte.

Die beiden Einwohnerräte wollen primär verhindern, dass das Teilstück des Wenkenmattwegs durch den Park für Velofahrer geöffnet wird. Auf dem Wenkenmattweg bis zum Hellring oberhalb des Parks ist das Velofahren bereits gestattet. Am liebsten würden die beiden das Velofahren auch dort verbieten. Gestatte man das Velofahren im Park, so werde auch oberhalb auf dem Wenkenmattweg der Veloverkehr zunehmen. «Dies führt auf dem engen, unübersichtlichen Weg garantiert zu gefährlichen Situationen», warnen beide.

Initiative gegen Velos

Vogt und Merz sammeln Unterschriften für zwei Petitionen. Zusammen haben sie bereits über 600. «Teilweise standen die Leute bei mir im Webergässchen zum Unterschreiben Schlange», berichtet Merz.

Peter A. Vogt denkt aber schon weiter. «Ich gehe davon aus, dass der Gemeinderat auf den Widerstand eingeht. Dann werden wir eine Initiative lancieren, um das Velofahren im Wenkenpark zu verhindern.»