Wegen eines Bombenalarms war gestern Vormittag der Grenzübergang zwischen Basel und Saint-Louis während mehrerer Stunden gesperrt. Ausgelöst wurde der Alarm um 9.30 Uhr. Grund dafür war Sprengstoff, der in einem Auto auf der französischen Seite vermutet wurde. Bei der Kontrolle des blauen Opels mit Basler Kennzeichen und islamischer Gebetskette am Rückspiegel hätten Sprengstoffspürhunde angeschlagen. In der Folge wurden auf französischer Seite die «Police Nationale», die Feuerwehr sowie ein Bombenentschärfungsteam aufgeboten. Auf Basler Seite waren die Grenzwacht und die Kantonspolizei Basel-Stadt im Einsatz.

Verdacht auf Spregstoff bei der Grenze Saint-Louis/Basel

Verdacht auf Spregstoff bei der Grenze Saint-Louis/Basel

St Louis Grenze abgesperrt

Weiträumige Sperrzone

Drei Bombenalarme in Basel – was dann?

Letzte Woche die Dschihadisten in Genf, gestern die Sprengstoffrückstände in Saint-Louis oder im November der Alarm in der Ahornstrasse: Die Terrorgefahr rückt näher und immer wieder muss die Polizei ausrücken. In Basel, wo Bombenalarme in letzter Zeit zum Glück nur wegen vergessenen Koffern ausgerufen wurden, drängen sich Fragen auf. Fragen dazu, wie gut Basel auf den Ernstfall vorbereitet ist. Schliesslich hat die Stadt keine eigenen Bombenentschärfungsroboter und entsprechende Experten mehr. Zum Beispiel fragt sich, was die Kantonspolizei machen würde, wenn in Basel gleichzeitig an drei Orten statt vergessenen Koffern richtige Bomben herumliegen würden. Kommen die Zürcher Bombenexperten dann nicht viel zu spät in Basel an? «Auf Spekulationen im Sinne von ‹was wäre wenn› können wir uns nicht einlassen. Konkrete Lagen werden situativ beurteilt und entsprechend behandelt», antwortet das Sicherheitsdepartement auf eine entsprechende Anfrage der bz. (DEG)

Die Sicherheitskräfte richteten um den Grenzübergang auf beiden Seiten der Grenze eine grossräumige Sicherheitszone ein. Der Zugang zum Grenzposten zwischen Elsässerstrasse und Avenue de Bâle war während rund dreieinhalb Stunden gesperrt. Während der zwischen Basel und Saint-Louis verkehrende französische «Distribus» während des Alarms die Grenze auf Umwegen überquerte, konnte das Tram Nummer 11 der BLT die Endstation bei der Grenze während Stunden nicht bedienen. Das Tram stoppte schon am Voltaplatz und wendete auf der Schleife zwischen Voltaplatz und Bahnhof St. Johann.

Die französischen Sprengstoffexperten nahmen das Innere des verdächtigen Wagens auseinander und untersuchten das Auto akribisch Zentimeter für Zentimeter auf Sprengstoff. Sie wurden nicht fündig. Um 13 Uhr konnten die Behörden Entwarnung geben, die Sperrzone aufheben und die schweizerisch-französische Grenze wieder öffnen. Der Pendlerverkehr ins Elsass verkehrte gestern Abend wieder normal.

Das verdächtige Auto

Das verdächtige Auto

Tweet Telebasel

Basler Imam verhört

Laut Angaben französischer Medien befand sich der Fahrer des verdächtigen Wagens gestern Nachmittag noch in Gewahrsam des Generalstaatsanwalts von Mulhouse und wurde verhört. Der Fahrer sei Schweizer, so die französischen Medien. Laut Telebasel handelt es sich bei ihm um den Imam der Arrahma-Moschee an der Elsässerstrasse. 2010 hatte er sich im Schweizer Fernsehen extremistisch geäussert.

Worauf genau die Sprengstoffhunde am Donnerstagmorgen reagiert hatten, war bei Redaktionsschluss noch unklar. Generell stellt sich nach dem gestrigen Bombenalarm die Frage, wie und ob die Informationskanäle zwischen Frankreich und der Schweiz bei derartigen Ereignissen im grenznahen Gebiet funktionieren. Die zuständigen schweizerischen Stellen verwiesen die bz an die französischen Behörden. Diese waren aber nicht zu erreichen.

Eine offizielle Information der Basler Medien und der Bevölkerung erfolgte laut Wissen der bz bis am Donnerstag Abend nicht.