Viele Mütter werden ungewollt schwanger oder wissen, dass sie ihr Kind nicht ernähren können. Die innere Not wird immer grösser. Ein Babyfenster ist für die meisten von ihnen die letzte Lösung. «Wir möchten verhindern, dass Mütter ihre Kinder aussetzen oder gar töten», meint Dominik Müggler von der Stiftung Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind. Auch solle den Neugeborenen eine bessere Zukunft ermöglicht werden.

Ab heute können somit verzweifelte Mütter auch in der Region Basel ihr Neugeborenes anonym in die sichere Obhut von Fachleuten geben. «Unsere Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, jenen Frauen zu helfen, bei denen die Existenz eines Kindes eine Notsituation verursacht.», sagt Müggler. Seit der Eröffnung des Babyfensters beim Spital Einsiedeln 2001 hat die Zahl der in der Schweiz tot aufgefundenen Babys deutlich abgenommen. «Wir sprechen hier von einer Reduktion um 45 Prozent», meint Müggler. In dieses wurden bisher elf Neugeborene gelegt, das letzte Mitte September.

Die Stiftung, die sich gegen Abtreibungen ausspricht, finanzierte sechs dieser Einrichtungen. «Wir haben vor zwölf Jahren die erste Anfrage von der Stiftung erhalten», sagt Thomas Rudin, Direktor des Basler Bethesda-Spitals. Er selbst kam damit vor zehn Jahren in Kontakt, als es nochmals zu einer Anfrage kam. «Wir haben uns dann intern dafür entschieden, es durchzuführen», meint Rudin. Damals wurde nämlich noch entschieden, das Bethesda zu sanieren und die Geburtsklinik neu zu gestalten. «Da wir gewartet haben, bis die neuen Räume eingerichtet wurden, ist seit der Anfrage auch eine gewisse Zeit vergangen». Nun konnte das Babyfenster aber realisiert werden.

16 Neugeborene im Babyfenster

«Für uns ist das Thema Babyfenster seit dem Jahr 2001 ein grosses Thema», erklärt Müggler. Das Projekt sei erst dann abgeschlossen, wenn alle grösseren Regionen der Schweiz solch ein Fenster haben. «Nach unseren Berechnungen bräuchte es demnach insgesamt elf Babyfenster», sagt Müggler. Mit jenem im Privatspital Bethesda gibt es in der Schweiz inzwischen sieben Babyfenster. Neben den beiden genannten gibt es mittlerweile auch eines in Bern, Davos, Olten, Zollikon und Bellinzona. Ein Weiteres soll im kommenden Februar im Spital Wallis in Sitten in Betrieb genommen werden. «Bisher wurden in den sieben genannten Babyfenstern insgesamt 16 Neugeborene hineingelegt», sagt Müggler.

Begibt sich eine Frau zu solch einem Babyfenster, kann sie das Kind in ein bereitgelegtes Bettchen legen. Durch den Druck des Körpergewichts wird sofort ein Wärmekissen aktiviert. Parallel dazu ertönt in der Geburtsklinik ein mehrschichtiges Alarmsystem. Sowohl beim Öffnen des Fensters, als auch durch eine spezielle Lichtschranke oberhalb des Bettchens wird der Alarm innerhalb von wenigen Minuten ausgelöst. «Eine Mitarbeiterin kümmert sich dann umgehend um das Kind und kontrolliert den Gesundheitszustand», erklärt Matthias Walser, Leiter des Pflegedienstes bei einer Demonstration des Ablaufes. Ist das Fenster einmal zu, bleibt das auch so. «Die Mutter oder eine andere Person kann ihr Kind dann nicht mehr aus dem Bettchen holen», stellt Spitaldirektor Rudin klar.

«Bis jetzt hat sich die Hälfte der Mütter bei uns gemeldet, um sich zu erkundigen, ob es dem Kind gut geht», sagt Müggler. Will die Mutter ihr Baby zurück, hat sie ein Jahr Zeit. Doch die Gründe dafür werden zuerst analysiert. «Umso länger sie wartet, umso besser müssen ihre Gründe sein.» Ruft eine Mutter an, wird zuerst abgeklärt, aus welchen Gründen sie ihr Kind abgegeben hat. «Uns ist es wichtig, dass die Kinder Informationen über ihre leibliche Herkunft erhalten», sagt Müggler.

Sicherheit bei der Geburt

Da oft niemand vom Kind und dessen Geburt erfahren darf, führen einige Mütter anonyme Geburten durch. «Diese müssen reduziert werden. Denn gewisse Kinder werden in tragischen Zuständen ins Babyfenster gelegt», meint Müggler. Viele von ihnen leiden auch an Untergewicht. «Wir haben aber das Glück, dass alle diese Kinder gesund sind», hält Müggler fest.

Als Alternative zum Babyfenster möchte das Bethesda-Spital nun solche diskreten Geburten als weiteres Angebot anbieten. «Eine Frau, die durch eine Schwangerschaft in eine Notsituation gerät, soll ihr Kind im Spital gebären können, ohne dass dies bekannt wird», sagt Rudin. Im Gegensatz zu einer anonymen Geburt, die in der Schweiz verboten ist, gibt die Mutter bei einer vertraulichen Geburt im Spital ihre Personalien bekannt. Diese Geburt wird dann im Zivilstand registriert, wie das gesetzlich vorgeschrieben ist. «Ihre Angaben werden aber vertraulich behandelt und nicht bekannt gegeben», erklärt Rudin.

Ab Februar 2016 will das unter anderem auf Frauenmedizin spezialisierte Krankenhaus solche Geburten anbieten. Die Vorbereitungen sind im Gang.