Eine Frau liegt im Krankenhausbett und unterhält sich mit ihrer Ärztin. Beiläufig fragt sie: «Wie stirbt sichs denn?» Und die Ärztin antwortet: «Wie hätten Sies denn gern?» Mit diesem, leicht makabren Witz eröffnete die feministische Theologin Isabelle Noth ihren Vortrag an der ersten Basler Sommerakademie. Diese hat vergangenes Wochenende unter dem Titel «Madame La Mort» stattgefunden und thematisierte das Verhältnis von Gender und Tod.

In ihrem Referat, welches passenderweise den Titel «Wie stirbt es sich denn?» trug, reflektierte Noth ironisch und humorvoll, welche Stellung «Gevatter Tod» in der Gesellschaft hat, und weshalb er manchmal besser weiblich wäre. «Im Scherz darf man bekanntlich sogar die Wahrheit sagen!», meint Noth.

Zum Beispiel, dass der Tod immer mehr zum Konsumgut wird, und dass es die Frage nach der Wahlfreiheit ist, die die meisten Debatten um das Sterben bestimmt. Die Mitgliederzahlen der Sterbehilfe-Organisationen Exit und Dignitas steigen stetig, wobei eindeutig mehr Mitglieder weiblich sind. Deutlicher wird die Geschlechterdifferenz dann, wenn man die Gründe der Mitglieder, sich an eine Sterbehilfe zu wenden, analysiert: «Während Männer meist angeben, sie wollen über ihr Leben und Tod autonom bestimmen, geben Frauen an, sie wollten niemandem zur Last fallen», erklärt Noth.

Wie es sich zu Hause stirbt

Hingegen scheint das «männliche Verlangen nach Selbstbestimmung» in der breiten Öffentlichkeit stark vertreten zu sein: Wer heute den Wunsch hegt, in den eigenen vier Wänden zu sterben, teilt diesen mit ungefähr 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Doch die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität ist gross, denn 75 Prozent der Schweizer sterben in Pflegeheimen oder Spitälern.

Die Chance, bei sich zu Hause zu sterben, erhöht sich jedoch nicht aufgrund guter Ärzte oder der finanziellen Lage: «Wer bei sich zu Hause sterben möchte, muss Töchter zeugen. Diese sind es meistens, die ihre Eltern im Alter betreuen», sagt Noth. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies der eigene Sohn tue, sei hingegen gering. Noch geringer sogar, als die Wahrscheinlichkeit von dessen Frau gepflegt zu werden. Natürlich nur dann, wenn man als Mann nicht noch von seiner eigenen Frau in den Tod begleitet wird – denn diese leben ja bekanntlich länger.

Selbst wer seine letzten Monate oder Jahre in einem Krankenhaus verbringen muss, wird dort mit 90-prozentiger Sicherheit von einer Frau betreut. Es sind Statistiken, die Noth zum Schluss bringen: «Sogar das Sterben ist ‹gegendert›.»

Keine strukturelle Frauenarbeit

Der Tod hat ein Geschlecht. Dass damit nicht nur der grammatikalische Artikel gemeint ist, machten die verschiedenen Veranstaltungen an der Sommerakademie deutlich. Neben Noths Ausführungen zu den seelsorgerischen Aspekten, beleuchtete Tags davor Noths Kollegin an der Uni Bern, Silvia Schroer: Gender und Tod im Alten Testament. Mit einem Exkurs über Mythen und Märchen, sowie einem historisch-literarischen Spaziergang wurden auch die kulturellen Facetten der Thematik abgedeckt. Schliesslich waren es der «Totentanz und der Tanz des Lebens», aufgeführt von Anjali Keshava, der die zweitägige Tagung ausklingen liess.

In den letzten Jahren wurden sowohl in der reformierten als auch in der katholischen Kirche die offiziellen «Frauenstellen» gestrichen, sodass die Gender- und Frauenarbeit in den beiden Institutionen heute nicht mehr strukturell verankert ist. Auf dieses Defizit wollten die Initiantinnen der Basler Sommerakademie mit ihrem Projekt reagieren. Mit dem Verlauf der ersten Tagung «Madame La Mort», sind sie zufrieden. Wie es mit der Sommerakademie in Zukunft weitergehen soll, können sie aber noch nicht sagen. Für Isabelle Noth und ihre Zuhörerinnen stand aber bereits jetzt fest: «Feministische Theologie braucht es in Zukunft mehr denn je.»