«Ich wollte sie bestrafen. Aber ich wollte sie sicher nicht töten, nur ein bisschen verletzen», sagte der 52-jährige Angeklagte vor Gericht.

Tatsächlich ging die Sache glimpflich aus: Am Fasnachtsmittwoch 2015 schraubte der Mann zuhause eine 18 Zentimeter grosse Schere auseinander und ging mit einer Hälfte in die Ochsengasse zu seiner Freundin. Er fragte nach einem Kuss, und als die 24-jährige nahe genug bei ihm stand, stach er ihr mit dem Scherenteil in den Unterbauch. Die Wunde war allerdings lediglich zwei Zentimeter tief, mit einem Pflaster war die Sache erledigt. Der Mann rief danach selbst die Polizei an.

«Weil sie mich angelogen hat»

Schon lange liess er sich von ihr massieren, ab 2014 waren sie ein Liebespaar. «Wir haben auch übers Heiraten und eine gemeinsame Wohnung gesprochen», erzählte der 52-Jährige am Donnerstag vor Gericht. Ob die aus Ungarn stammende Prostituierte während dieser Zeit weiterhin angeschafft hat, konnte er nicht sagen. Auch habe ihm die Frau ihren Cousin vorgestellt, viel später erst habe er kapiert, dass dieser in Wahrheit ihr Freund war.

Die vermeintliche Beziehung war teuer: «Ich habe zwischen 50 000 und 100 000 Franken für sie ausgegeben. Genau habe ich nicht gezählt», sagte der Mann. «Weshalb genau wollten Sie sie denn bestrafen?», fragte Gerichtspräsident Dominik Kiener. «Weil sie mich angelogen hat».

Staatsanwältin Christine Egli verlangte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. «Die Umstände lassen keinen anderen Schluss zu, als dass er auch eine Tötung als Konsequenz in Kauf nahm». Dass nicht mehr passiert ist, sei lediglich glücklicher Zufall, so Egli.

Die Verteidigerin hingegen betonte, ihr Mandant habe nicht kraftvoll zugestochen, sonst wäre die Wunde sicher tiefer als lediglich zwei Zentimeter ausgefallen. Eine bedingte Geldstrafe wegen einfacher Körperverletzung genüge.

Das Dreiergericht gab ihr teilweise recht: Der Mann habe nicht heftig zugestochen, ein Tötungsvorsatz lasse sich nicht nachweisen. «Jede Wunde ist potenziell lebensgefährlich. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man jemandem zwei Zentimeter in den Unterbauch oder acht Zentimeter ins Herz sticht», sagte Gerichtspräsident Dominik Kiener.

Das Gericht beliess es deshalb bei einer bedingten Freiheitsstrafe von 19 Monaten wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Strafmildernd kam dem Mann vor allem sein Geständnis zugute. Kiener betonte, auch aus Opfersicht sei es kein gravierender Fall: Die Frau habe hinterher mehrmals versucht, wieder Kontakt mit dem Mann aufzunehmen.

Tatsächlich schilderte der Mann, die Frau versuche immer wieder unter einem neuen Fakenamen via Facebook Kontakt mit ihm aufzunehmen und spreche von einer möglichen Verlobung, er blocke die Anfragen jeweils. Sein Vermögen ist futsch, inzwischen ist der gelernte Schreiner arbeitslos. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, auch die Staatsanwaltschaft kann den Fall noch weiterziehen.