Mit T-Shirt und kurzen Hosen sitzt Jonas Schwarz an diesem schwülen Sommerabend in seinem Büro an der Steinen und wirkt zufrieden: «Unsere App wurde vor wenigen Tagen bei Google und Apple eingereicht. Jetzt warten wir darauf, dass sie angenommen wird.» Der junge Mann Anfang 30 ist gebürtiger Basler und einer der drei Gründer der Firma «Tagxy». Die gleichnamige App ist ein soziales Netzwerk, mit dem Orte und Gegenstände markiert werden können. Doch der Reihe nach.

Angefangen hat das nämlich – wie so oft – ganz anders: mit Müll. Schwarz war vor Jahren in ein Littering-Projekt involviert und wollte dem Abfallstreuen mit einer App beikommen. «Sie sollte helfen, einen Mülleimer zu finden – und ihre Nutzer belohnen, wenn sie etwas richtig entsorgten», sagt Schwarz. Er war zu dieser Zeit fasziniert von «Augmented reality»: der Möglichkeit, über die reale Welt eine virtuelle zu legen, die durch das Smartphone betrachtet werden kann. Schwarz’ Müll-App sollte auch auf dieser Grundlage funktionieren.

In dem Betriebsökonom Stéphane Gay-Lang und dem Informatiker Frederik Gundelsweiler fand er zwei Mitstreiter, die von seiner Idee überzeugt waren. Schwarz selber ist Lehrer – daneben hat er aber schon mehrere Firmen gegründet und war an der Entstehung des «Imagine-Festivals» beteiligt.

Müll-Idee wandert in den Abfall

Während fast drei Jahren hat das Team über Ideen gebrütet und Konzepte ausgearbeitet. Um die Finanzierung sicherzustellen, gründeten sie eine Aktiengesellschaft und suchten nach Aufträgen. Für eine Schweizer Bank entwickelten sie eine Werbe-App, die auf «Augmented reality» basierte. «Dank diesem Grossprojekt waren wir zwischenzeitlich fast zehn Leute.»

Obwohl die Bank-App am Ende nicht veröffentlicht wurde, spülte der Auftrag Geld in die Kasse. Und brachte Know-how, das wiederum direkt in die Entwicklung der «Tagxy»-App floss, die nebenher weiterlief. Mit der Zeit sei jedoch klar geworden, dass das ursprüngliche Konzept nicht umsetzbar sei, «und so mussten wir uns von der Müll-Idee trennen», sagt Schwarz.

Geboren wurde dafür jene App, die inzwischen kostenlos für iPhone und Android runtergeladen werden kann. Sie ermöglicht es, überall auf der Welt virtuelle Graffiti zu hinterlassen: Durch die Handykamera betrachtet man seine Umwelt, tippt einen gewünschten Ort an und hinterlässt eine Nachricht. Diese ist für alle Nutzer der App sichtbar. «Man kann damit etwa eine tolle Bar markieren oder ein Kunstwerk an die Fassade des Rathauses kleben», sagt Schwarz.

Basler taggen wie wild

Ein Blick in die App zeigt, dass die Baslerinnen und Basler bereits fleissig taggen – von Cafés über Läden bis zu speziellen Orten gibt es schon unzählige Markierungen. Die drei Entwickler hoffen nun, Investoren zu finden oder einen neuen Auftrag an Land zu ziehen. Auch, um die «Kriegskasse» wieder etwas zu füllen, wie Schwarz sagt. Zunächst gönnt sich dieser allerdings eine Auszeit. Ein Blick in die App verrät derweil seinen Aufenthaltsort – sein neuster Tag stammt aus dem Feriendorf «Innamorata» auf der Insel Elba.