«Für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Asexuelle und Transgenders … oder für solche, die noch nicht wissen, was sie sind.» So beschreibt sich der Jugendtreff Anyway, einer der Einzigen seiner Art in der Schweiz. Zweimal im Monat treffen sich junge Frauen und Männer zwischen 15 und 25 Jahren im Jugendzentrum Neubad zum gemeinsamen Austausch. Heute wird das Projekt mit dem Chancengleichheitspreis beider Basel ausgezeichnet.

«Es ist ein tolles Zeichen, dass wir von offizieller Seite so viel Unterstützung erhalten. Es zeigt, dass wir gesehen werden», sagt Leiterin Alexandra Barth. Mit zehn weiteren Personen leitet sie das Projekt ehrenamtlich. Alle Leiter sind unter 30 Jahre alt. Seit der Gründung vor vier Jahren hat sich das Team verändert, auch um Neuen Platz zu machen. Wie das Preisgeld eingesetzt wird, steht bereits fest: «Wir werden wieder eine Plakataktion machen wie schon vor zwei Jahren. Damals hatten wir ein wahnsinniges Echo.» Die Tramplakate zeigten junge, homosexuelle Paare. Mit den Reaktionen war das Team mehr als zufrieden: «Über zweieinhalb Jahre hinweg sind immer wieder Jugendliche zu uns gekommen, die durch die Plakate aufmerksam geworden sind.» Dem Treff ginge es aber auch darum, öffentlich ein Zeichen zu setzen und die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Mit diesem Ziel ist «Anyway» auch sonst aktiv, beispielsweise mit einem Informationsstand am Imagine-Festival. Die Bilder der nächsten Plakatkampagne sind bereits im Kasten. «Die neue Plakataktion ist noch mutiger als das letzte Mal», verrät Barth.

«Ich bin nicht alleine»

An den Treffen nehmen jeweils zwischen 15 und 20 Jugendliche teil. Fast jedes Mal sind auch Neue dabei. «Dann laufen sie manchmal draussen hin und her. Da sieht man, wie wahnsinnig schwierig es ist, das erste Mal an einen solchen Ort zu gehen», sagt Barth. Für die Jugendlichen sei es spannend, mit anderen in Kontakt zu kommen, die auch nicht der «Hetero-Norm» entsprechen. Bei einigen finde dieser Austausch überhaupt erstmals bei einem Besuch von «Anyway» statt. Manchmal bilden sich daraus auch wichtige Freundschaften. Schwierigkeiten mit der Nachfrage hat der Jugendtreff nicht. «Für die Jugendlichen spielt das Gefühl des ‹Ich bin nicht alleine› eine wichtige Rolle.» Wie die Jugendlichen mit ihrem Outing leben, ist ganz unterschiedlich. «Es gibt solche, die von der Familie oder dem Freundeskreis sehr unterstützt werden. Andere Jugendliche haben es schwieriger.» In diesen Fällen steht das erfahrene Leiterteam beratend zur Seite und bietet Unterstützung an, wenn solche gefragt ist. Reicht diese nicht aus, wird an Fachstellen weitervermittelt. Neben Austausch und Beratung bietet der Jugendtreff auch ein abwechselndes Programm. «Kürzlich haben wir einen Input zur rechtlichen Situation gemacht. Daraus hat sich dann eine Diskussion ergeben. Und nächstes Mal veranstalten wir einen Kurzfilmabend», erzählt Barth. Auch Jugendliche aus anderen Kantonen besuchen den Treff. In ihrer Umgebung fehlt es oft an einem solchen Angebot. «Manchmal kommen extra Jugendliche aus dem Aargau, weil es bei ihnen nichts Vergleichbares gibt.»