Fast jede und sicherlich jeder hat bereits einmal im Leben Krieg gespielt. Ein Besuch im Spielzeugmuseum Riehen unterstreicht diese These auf faszinierende und zugleich erschreckende Art und Weise.

Hundert Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkriegs zeigen die beiden Kuratorinnen Julia Nothelfer und Claudia Glass unter dem Titel «Krieg im Kinderzimmer» noch bis zum 1. März 2015 historische Aspekte zu Kriegsspielzeugen.

Dass das über Generationen gespielte «Mensch ärgere Dich nicht» erst richtig bekannt und beliebt wurde, als der Hersteller 3000 Exemplare davon an die Front im ersten Weltkrieg schickte, ist wohl den meisten nicht bekannt.

Dass die Deutschen die traditionellen Schachfiguren in Kriegszeiten durch Wehrmachtssymbole austauschten, Halma, Quartette oder Dame zu Kriegsspielen verändert wurden, unterstreicht, wie Kriege die Spielkultur prägten. «Es gab eine klare subtile Beeinflussung der Kinder. Jede Spielform bekommt eine militärische Aufrüstung», erklärt Co-Kuratorin Claudia Glass.

Dass dies in Deutschland sehr ausgeprägt war, versteht sich von selbst. Doch auch die Schweizer Kinder blieben von dieser subtilen Beeinflussung nie verschont. Im Spiel «Wir halten fest» wurde die Schweizer Neutralität vor den feindlichen Nachbarn 1917 und in einer neuen Auflage 1945 spielerisch dargestellt.

Auch viele Kinderlieder – darunter «Maikäfer flieg» – haben einen militärischen Hintergrund und werden mittels Hörproben vorgeführt. Schaukelpferde als Abbild und Gefühl der Kavallerie – eigentlich undenkbar. Oder doch nicht?  

Die Grenzen des Spielens

Im historischen Teil der Sonderausstellung werden unzählige solcher Beispiele bis hin in die Gegenwart gezeigt. Auch sieht man an Zeichnungen und Bastelarbeiten, wie Kinder Kriege erlebten. So wird ein Puppenhaus eines britischen Mädchens aus dem zweiten Weltkrieg gezeigt, das bombensichere Wände und abgedunkelte Fenster hat.

Einen gewichtigen Teil der Ausstellung nimmt «die Lust am Krieg spielen» ein, wie es Julia Nothelfer formuliert. Und diese Lust wirft Fragen auf. Wo sind die Grenzen zwischen dem normalen kindlichen Spieltrieb, und wo hört das Spielerische auf lustig zu sein? Fragen, die mittels Erklärungen teilweise beantwortet werden, aber absichtlich auch unbeantwortet bleiben. «Wir wollten das Thema nicht moralisch beleuchten», stellt Julia Nothelfer klar.

Für Claudia Glass war die Lust am Spielen immer vorhanden. «Sie wurde und wird immer noch schamlos ausgenutzt.» Kriegsflugzeuge, Panzer, Schiffe, U-Boote, Zinn- und Puppensoldaten und Spielzeugwaffen – täuschend echte Modelle, die noch heute Zugang in Kinderzimmer erlangen. Mit Rollenspielen, Kostümierungen und Heldenfiguren wird über gut und böse philosophiert.

«Wo kippt das Spielen? Was soll man verbieten und was nicht», fragt sich Julia Nothelfer. Die richtige Antwort gebe es nicht. «Wir sagen nicht, was richtig und was falsch ist. Das geht bei diesem Thema schlichtweg nicht.» Die Erklärungen beziehen sich auf spezialisierte Kinderpsychologen. Doch Fragen bleiben – mit Absicht.

Experten diskutieren das Krieg spielen

Das Thema ist sensibel und die Ausstellung kann auch provozieren. Schon nur der Titel «Krieg im Kinderzimmer» löste positive und negative Reaktionen aus. Bei der blossen Betrachtung der Ausstellungsstücke wird es nicht bleiben. Ein Rahmenprogramm begleitet die halbjährige Ausstellung. Es gibt Workshops für Kinder, die immer mit Erklärungen verbunden sind.

Auch werden Experten zum vielseitigen Thema Stellung nehmen und mit Kindern und Eltern diskutieren. Und ein Programm für Kindergärten und Schulen befindet sich im Angebot, welches man hier vor Ort oder im Schulzimmer abhalten kann.