Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Doris Moser hat Stefan Schäfter 1989 den ersten Basler Velokurierdienst gestartet – mit der Idee, möglichst wenig Autos in der Stadt zu haben.

Herr Schäfter, heute sind Velokuriere nicht mehr aus dem Basler Strassenbild wegzudenken. Was war das Erfolgsrezept?

Stefan Schäfter: Die Geschwindigkeit. Wir haben aus ökologischen Überlegungen begonnen, mit dem Ziel, möglichst wenig Autos in den Städten zu haben. Zwar haben sich alle von dieser ökologischen Idee begeistert gezeigt, aber deshalb hätte uns niemand auch nur einen Rappen gegeben. Was uns ausgezeichnet hat, war unsere Geschwindigkeit. Man musste nicht mehr bis zum nächsten Tag auf eine Lieferung warten, sondern hatte das gewünschte Dokument eine halbe Stunde später auf dem Schreibtisch. Insofern haben wir, ganz unökologisch, zur Beschleunigung des Lebens beigetragen.

Hat sich die Art der Aufträge im Laufe der Zeit verändert?

Ja, und zwar enorm. Zu Beginn haben wir vor allem Dokumente und Datenträger transportiert. Wir sind mit einer CD-ROM zum Drucker gefahren und mit dem gedruckten Papier zurück zum Grafiker. Das wird heute alles per Internet verschickt. Insofern waren wir eigentlich die Vorgänger des Internets.

Also war die Umstellung auf Lastenvelos für die Velokurier-Firmen überlebenswichtig?

Soweit ich das beurteilen kann, würde ich sagen ja. Ich selber habe mich nach 15 Jahren aus dem Kuriergeschäft zurückgezogen, da mir der Aufwand über den Kopf gewachsen ist. Aber ich denke, die Cargo-Bikes sind für die Kurierdienste ein Glücksfall, denn sie erlauben es, in der Stadt auch grössere Dinge ökologisch, ohne Auto von A nach B zu bringen.

Wie stehen Sie zum neuen Basler Verkehrskonzept?

Man könnte fast sagen, dass unser ursprüngliches Ziel mit der autofreien Innenstadt erfüllt ist. Es gibt jedoch ein grosses Aber: Es wurde nicht erfüllt, weil die Menschen eingesehen haben, dass Velofahren etwas Tolles ist, sondern weil ihnen das Autofahren verboten wird.

Da spricht der Vollblut-Velofahrer ...

Das Velo ist und war tatsächlich immer mein Ding. Es ist das genialste Fortbewegungsmittel, das je erfunden wurde. Auch heute arbeite ich noch mit Velos, indem ich alte Sammlerstücke restauriere und weltweit damit handle. «All about the Bike», könnte man sagen.

Wie hat sich denn Ihrer Meinung nach Basel als Velostadt allgemein entwickelt?

Ich würde sagen, ziemlich gut, auch wenn noch vieles verbessert werden kann. Stellen Sie sich vor, dass ich 1989 als deutscher Velokurier in Basel nicht mal eine Arbeitsbewilligung erhalten habe. Die Behörden haben gesagt: «Velokurier? So etwas kennen wir nicht, das braucht es auch nicht.» Meine Freundin, auf die unsere Firma eingetragen war, durfte mich also nicht einmal anstellen.