Die Allianz Deponien Muttenz (ADM) fordert in einer Pressemitteilung vom Dienstag den umgehenden Rücktritt der Projektleitung der Deponiesanierung Feldreben Muttenz, außerdem die Veröffentlichung aller Protokolle und Dokumente und eine Begutachtung der bisher getätigten Arbeiten durch unabhängige Experten. Hauptaugenmerk der Forderung liegt auf Franziska Ritter, Geschäftsleitungsmitglied und vom Runden Tisch angestellte Koordinatorin. Gleichzeitig ist sie jedoch Verwaltungsratspräsidentin der BCI Betriebs AG, die im Namen der drei Konzerne BASF, Syngenta und Novartis die Chemiemülldeponie Bonfol im Kanton Jura aushebt.

Der Interessenskonflikt Ritters wird laut ADM deutlich, wenn sie als Projektleitungsmitglied am Runden Tisch die Interessen des Kantons vertreten solle gegenüber dem BASF-Kadermann Andreas Dür, mit dem sie gleichzeitig als «zeichnungsberechtigtes Duo» im Verwaltungsrat der BCI Betriebs AG «am selben Industrie-Strick zieht».

Weitere Mitglieder des BCI-Verwaltungsrates sitzen laut Protokollen in der Technischen Fachkommission Feldreben: Marco Semadeni (Syngenta) und Roger Fischer (Novartis). Die Fachkommission berät den Runden Tisch; als Interessensvertreter des Kantons Baselland hat dort offenbar niemand Einsitz. «Die Industrie will das Muttenzer Projekt von A bis Z kontrollieren», zitiert ADM in ihrer Mitteilung einen anonymen ehemaligen Mitarbeiter Ritters. Die Vorwürfe der Sanierungsskeptiker richten sich auch gegen Gesamtprojektleiter Bernhard Matter.

Die Sanierungsmassnahmen des Altlastenspezialistes mit seiner Firma CSD Ingenieure AG im Auftrag der drei Konzerne seien bereits in Bonfol in einem Vergleich vor Gericht als gesetzlich ungenügend gescheitert. In Bonfol sei CSD heute noch für die BCI und somit für Ritter tätig.

Ritters Ziel ist es laut ADM seit 13 Jahren, Muttenz für die Chemie billiger als Bonfol zu machen. Dies beweise ein Protokoll aus dem Jahr 2000, wo Ritter als Ciba-SC-Vertreterin (heute BASF) gegenüber dem Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) einräumt, daß in der Feldrebengrube Stoffe vorhanden sind, die «bei entsprechenden Ausbreitungsmöglichkeiten in jedem Fall eine Gefährdung zur Folge haben könnten». Diese Beurteilung könne wie bei Bonfol zu einem «Ruf nach Totalsanierung führen». Das wollen die drei Konzerne laut ADM verhindern.

Genauso wie dieses Protokoll liegt der bz eine chemie-interne Mail des Lobbyisten Conrad Engler vor, der seine Kollegen im Dezember 2002 mahnt: «Wichtig ist die [finanzielle] Kantonsbeteiligung für die weiterführenden Abklärungen; dann überlegt sich der Kanton wirklich auch zweimal, was er fordert im AUE BL, wenn es (aus der gleichen Direktion) auch mitfinanzieren muss.» ADM weist daraufhin, dass der Kanton mit dem Kauf des Grundstücks das Risiko von bis zu 400 Millionen Franken Sanierungskosten eingegangen sei.