In genau einer Woche startet mit dem schmutzigen Donnerstag die Herrenfasnacht, also die Fasnacht in all jenen Gemeinden, die einst zum Fürstbistum Basel gehörten. Oder einfacher gesagt: in den katholischen Gemeinden im Birseck, Leimental und Laufental sowie im Schwarzbubenland. Manche von ihnen plagen Existenzängste. Aber Adrian Butz, Obmaa der grössten Fasnacht im Baselbiet, kann sich nicht beklagen, wie er im Interview mit der bz verrät.

Herr Butz, wie geht es der Allschwiler Fasnacht?

Adrian Butz: Sehr gut. Es ist eine gesunde Fasnacht mit konstanter Teilnehmerzahl und vielen eigenen Cliquen.

Anderen Fasnachten in der Region geht es weniger gut. Diejenige in Oberwil etwa wäre wegen Nachwuchsproblemen im OK fast eingegangen, in Binningen wurde es aus finanziellen Gründen knapp. Kennt Allschwil solche Probleme nicht?

Nachwuchsprobleme jedenfalls nicht. Denn organisiert wird die Fasnacht immer von der Wildviertel-Clique. Der Erhalt der Allschwiler Fasnacht ist sogar in ihren Statuten festgehalten. Das ist eine stabile, konstante Basis. Finanzielle Probleme können wir eher nachvollziehen. Hier müssen wir ehrlich sein: Ohne die Unterstützung der Gemeinde wären wir auf keinen Fall in der Lage, die Gesamtkosten zu tragen.

Aber die Gemeinde Allschwil muss sparen und deshalb auch unpopuläre Entscheide treffen. Befürchten Sie nicht, dass es auch der Fasnacht an den Kragen gehen könnte?

Nein. Von der Gemeinde erhalten wir klar das Signal, dass man den grössten wiederkehrenden kulturellen Anlass in Allschwil nicht aus finanziellen Gründen fallen lassen möchte. Momentan müssen wir uns deshalb keine Gedanken machen. Das ist aber kein Freipass: Wir kennen unsere Grenzen und überborden nicht. Mittlerweile hat sich der Umfang bei ungefähr 80 Zugnummern und 1500 Aktiven eingependelt. Das ist eine gute, gesunde Zahl.

Sie sind seit 21 Jahren Obmaa der Allschwiler Fasnacht. Hat sie sich in dieser Zeit verändert?

Der Umzug nicht. Aber früher kamen gerade am Montag- und Dienstagabend oder an unseren Cherusball richtige Horden aus Basel und Umgebung zu uns nach Allschwil. Das ist mittlerweile nicht mehr der Fall. Dabei würde sich gerade der Besuch unseres Cherusballs lohnen. Es ist einer der wenigen in der Region, der von Aufwand und Dekoration her noch wirklich ein Cherusball ist. Es werden auch Sujets ausgespielt und prämiert. Doch er und die Schnitzelbank-Abende am Montag und Dienstag sind zu Allschwil-internen Anlässen geworden.

Wie können Sie wieder mehr Besucher aus Basel anlocken?

Ich glaube, das können wir nicht beeinflussen. Das ist einfach eine Entwicklung. Früher haben die meisten für die Fasnacht noch eine Woche Ferien genommen. Heute läuft sie oft nebenher. Eine Schwierigkeit ist sicher auch, dass der Verkehr nur während der Umzüge umgeleitet wird. Deshalb können die Guggen und Cliquen bei uns natürlich nicht so gässeln wie etwa in Basel. Wir können nicht wie Laufen einfach die Stadttore schliessen und sagen: «Ihr bleibt draussen, jetzt ist Fasnacht.»

Was macht die Allschwiler Fasnacht besonders?

Wir haben sehr viele eigene Cliquen, die an der Fasnacht jeweils Allschwiler Sujets ausspielen. Praktisch jeder Wagen an unserem Umzug ist ein Sujet-Wagen, reine Waggis-Wagen gibt es nur vereinzelt. Wir haben auch immer wieder ganz tollen und engagierten Nachwuchs. Ich glaube, das liegt auch daran, dass wir Baumaterial zur Verfügung stellen und auch mit Traktor und Chauffeur aushelfen, falls Cliquen das nicht selber organisieren können. So müssen gerade Junge, die erst einsteigen, für den Anfang nicht so viel Geld in die Hand nehmen.

Es ist sicher nicht einfach, Junge dazu zu motivieren, in Allschwil Fasnacht zu machen, wenn Basel so nahe liegt.

Ich mag den direkten Vergleich mit der Basler Fasnacht nicht – auch mit anderen Umzügen in der Region übrigens nicht. Jede Fasnacht ist anders, das lässt sich nicht vergleichen. Und wir sind auch keine Konkurrenten. Es gibt viele Allschwiler, die sowohl in einer Allschwiler als auch in einer Basler Clique sind, meine Kinder zum Beispiel. Die beiden Fasnachten schliessen sich nicht gegenseitig aus.