Simpel, aber effizient: Man stülpt den Vorsatz übers iPhone und schon kann man dieses als Mikroskop verwenden und Aufnahmen mit bis zu 150-facher Vergrösserung machen. Seit der Liestaler Industriedesigner Sebastian Pfirter im Sommer das Hosensack-Mikroskop unter der Bezeichnung my-iCros auf den Markt brachte, hat er davon rund 500 Stück verkauft.

Dabei ist an seinem Geschäftsmodell alles äusserst schlank: Das Vorsatz-Objektiv besteht aus einer Linse, die er als Industrie-Massenprodukt günstig einkaufen kann. Den eigentlichen Aufsatz stellt er auf dem selbst entwickelten 3-D-Drucker aus einem Kunststoff her, der auf der Basis von Maisstärke produziert wurde. Zwar dauert es rund 40 Minuten, bis so ein Teil gedruckt ist. «Ich kann bei mir im Büro pro Woche rund 150 Stück herstellen», berichtet Pfirter. Aber anders als für Spritzguss muss er dafür keine speziellen Formen herstellen lassen und es gibt deshalb auch keine Mindestmenge, um rentabel zu produzieren. Mehr noch: Auch wenn Apple das iPhone-Gehäuse verändert, kann Pfirter sich rasch anpassen: «Den Schritt zu einem iPhone 6 machte ich in wenigen Tagen.» Er muss einfach nur die dreidimensionale Zeichnung im Computer neu machen, den Prototyp ausdrucken und testen – et voilà.

Nicht nur für den Hobbybereich

Erst wenn die Nachfrage massiv anziehen würde, müsste sich Pfirter von dieser Flexibilität verabschieden und neue Produktionsformen einführen. Doch dafür fehlen vorläufig die Mittel und ein Investor: Allein für die Spritzgussformen müsste man mehrere Zehntausend Franken in die Hand nehmen.

Marktchancen sieht der Jungunternehmer hingegen viele. So steht er mit einem Hautarzt in Verbindung, der den Mikroskop-Vorsatz bei der Arbeit einsetzt: «Er kann überall in der Klinik Fotos machen und ist nicht mehr darauf angewiesen, die Patienten ins Büro zum USB-Mikroskop zu bitten, das er an seinen Computer angeschlossen hat.» Ein anderer Arzt setze my-iCros für die Analyse krankhafter Veränderungen im Nagelbett ein.

Dies könnte man ausweiten auf Länder, wo medizinische Einrichtungen wegen der grossen Distanzen schwer erreichbar sind, es aber gute Handynetze gibt. Patienten könnten zum Beispiel in Australien, wo die Hälfte der Bevölkerung mit krebsverdächtigen Hautveränderungen zu tun hat, per Handyfoto nachfragen, ob ein neuer Hautfleck in einer mehrere Autostunden entfernten Klinik untersucht werden muss oder ob er harmlos ist.

Aufsatz kostet nur 19 Franken

«Ähnliche Möglichkeiten sehe ich für Afrika», erklärt Pfirter. Insbesondere auch der Preis von 19 Franken spreche für den Einsatz in Entwicklungsländern, wo man sich die teuren medizinaltechnischen Mikroskope in der Regel nicht leisten kann.

Das Mikroskop funktioniert nur zusammen mit einem Handy mit Autofokus-Kamera. Pfirter hat sich absichtlich aufs iPhone spezialisiert, da dieses relativ einheitliche Gehäuseformen aufweist und weit verbreitet ist. Er hängt sich mit seiner «Designerei» also an den Marketingerfolg des Weltkonzerns Apple. Was sagt Apple dazu? «Apple ist daran interessiert, möglichst viele iPhones zu verkaufen. Wenn es dafür spannendes Zubehör gibt, steigert dies die Absatzchancen.»

Und fürchtet er nicht, dass seine Idee, beispielsweise in China, kopiert wird? «Ein Patent wäre erstens viel zu teuer und zweitens wäre es mir als Einmannbetrieb nicht möglich, weltweit die Einhaltung des Patents durchzusetzen. Zudem sei die Innovationsgeschwindigkeit so hoch, dass in wenigen Jahren wieder andere Artikel gefragt sind. «Viel besser ist es, die Ideen einfach schneller zu entwickeln als die Konkurrenz.» So kann sich Pfirter vorstellen, das Aufsteck-Mikroskop zu einer technisch erweiterten Variante weiterzuentwickeln.

Vorläufig jedoch will er sich um den Absatz seines jetzigen Produkts kümmern: «Demnächst wird es in Webshops erhältlich sein.» Dabei zeigt er sich optimistisch: «Die Crowdfunding-Aktion im Sommer endete mit einem Erfolg: Ich erreichte 300 Prozent Kapitalisierung und konnte die Entwicklungskosten voll decken.»