Am Dienstagabend ist auf den Wohnwagen einer Fahrendenfamilie in Allschwil ein Brandanschlag verübt worden. Die Kantonspolizei Baselland bestätigt diesen, am Donnerstag von der bz publik gemachten Vorfall jetzt auch offiziell in einer Medienmitteilung. Diese wurde nötig, nachdem zahlreiche Medien die Geschichte aufgegriffen hatten und diese nun auch national für Wirbel sorgt. Und die Polizei Basel-Landschaft gibt offen zu, es seien bei dem Einsatz «Fehler gemacht» worden. Insbesondere bei der Ersteinschätzung der Lage nach dem Angriff auf den Wohnwagen. Es habe sich definitiv nicht um einen «Feuerwerkskörper» gehandelt, der auf den Wagen geschleudert worden sei, wie die Polizei ursprünglich angegeben hatte. Sondern um einen Brandsatz. Deshalb werde nun auch eine Anzeige wegen Brandstiftung eingereicht.

Auf einem Bild des Brandsatzes, den die Polizisten nicht gesichert hatten, die Fahrenden aber dokumentierten (siehe Bild) ist klar zu erkennen, um was es sich handelt: Um eine PET-Flasche, in die Papier gestopft wurde. Gemäss Aussagen der Fahrenden hatten die Polizisten die Überreste mit einem Fusstritt aus dem Weg befördert, sie aber nicht eingetütet und mitgenommen. Darauf bezog sich ein Polizeisprecher, als er von einem «Fehler» sprach.

Pöbeln, prügeln, drohen

Die Fahrenden waren am Dienstag zunächst von einem alkoholisierten Mann angegriffen worden, den die Polizei in die Obhut eines Freundes übergab, der ihn nach Hause brachte. Die Polizei Basel-Landschaft meldet, der Mann solle die «die Fahrenden beschimpft und angepöbelt haben.» Weiter sei er auch «gegen die anwesenden Personen tätlich geworden». Nach Angaben der Polizei hatte der kontrollierte 27-jährige Schweizer einen Alkoholspiegel 1,8 Promille.

Laut den Fahrenden hatte er sich selbst als «Hooligan» bezeichnet und mit seinen guten Beziehungen zu gewaltbereiten Gruppen gedroht. Die Polizei übergab den jungen Pöbler «an eine Drittperson», offenbar einen Bekannten des Schweizers, die ihn an seinen Wohnort zurückbrachte. «Er kündigte an, wir würden keine ruhige Nacht haben», sagt einer der Betroffenen über den Abgang des Pöblers vom Ort des Geschehens.

Zwei Stunden später, nach 22 Uhr, erfolgte der Brandanschlag. Die Polizei rückte erneut an, stellte nach eigenen Angaben fest, dass in der Tat ein Brandsatz geworfen worden war, der Wohnwagen aber keine Beschädigungen aufwies – und rückte wieder ab.

Die Polizei betont, ein Zusammenhang zwischen den beiden Taten stehe nicht fest. Es würden nun Ermittlungen wegen versuchter Brandstiftung aufgenommen. Der Verein «Schäft Qwant», der sich für die Anliegen von Fahrenden einsetzt, kündigt seinerseits an, Anzeige wegen Verstosses gegen das Antirassismusgesetz einzureichen.

Immer wieder Ablehnung

Den Jenischen bleibt übrigens neben den Überresten des Brandsatzes ein weiteres Souvenir von der nächtlichen Aktion: eine Verkehrsbusse. Um auf den Parkplatz beim Allschwilerweiher zu gelangen, mussten sie durch eine Einbahnstrasse fahren. Denn über der eigentlichen Zufahrt hängt seit Jahren eine Höhenbeschränkung in Form einer Eisenstange. Diese soll verhindern, dass man mit Wohnwagen auf den Parkplatz gelangen kann.

Schon als der Schiessstand noch stand, verhinderte eine Höhenbeschränkung die Zufahrt mit Wohnwagen. (Archiv)

Schon als der Schiessstand noch stand, verhinderte eine Höhenbeschränkung die Zufahrt mit Wohnwagen. (Archiv)

Eine Schikane, mit der die Fahrenden, gegen die sie sich richtet, längst abgefunden haben. Das sei beileibe kein Einzelfall. Ebenso wenig wie tätliche Übergriffe. So sind laut eigenen Angaben die Schwiegereltern des Überfallopfers vom Dienstag auch schon attackiert worden. Zwar nicht in Allschwil, dafür in Aesch. Trotzdem wollten die Fahrenden, nach eigenen Angaben, eigentlich nicht an die Medien gelangen. «Wir wollen ja keinen Ärger machen», sagt Informant A.B.

Ausserdem hätte sich die Situation der Fahrenden, was den Umgang mit der Polizei angehe, sehr gebessert. Vor allem auch in Basel-Stadt, wohin sie nun zurückgekehrt sind. Dies nachdem sie durch die Umweltschutzorganisation Pro Natura von einer Geröllhalde beim Rangierbahnhof vertrieben worden waren, weil sie dort angeblich den Lebensraum von Kriechtieren gefährdeten (bz vom Dienstag). «In Basel haben wir mittlerweile ein gutes Verhältnis zur Polizei.»