Es braucht eine historische Einordnung, um das gestrige Resultat zu verstehen. Am 23. Februar 1936 stimmten 54 Prozent der männlichen (damals einzig stimmberechtigten) Baselbieter Ja zur Einsetzung des Verfassungsrats, der die Wiedervereinigung vorbereiten sollte. Die Stimmbeteiligung betrug 87,5 Prozent.

Den Verfassungsentwurf für den wiedervereinigten Kanton Basel nahmen am 2. Oktober 1938 noch 52 Prozent der Baselbieter an – bei einer Wahlbeteiligung von 78,5 Prozent.

Hätte das eidgenössische Parlament im Winter/Frühjahr 1947/48 nicht die Gewährleistung der neuen Verfassung abgelehnt, wäre das wiedervereinigte Basel wohl längst Tatsache.

Beim nächsten Anlauf stimmten am 1. Juni 1958 58 Prozent Ja zur Einsetzung des Verfassungsrats, bei einer Stimmbeteiligung von 78 Prozent.

Am 25. September 1960, als es um die Aufnahme des Wiedervereinigungsparagrafen 57 in die Verfassung ging, stimmten 60 Prozent der Baselbieter zum vierten Mal einer Wiedervereinigungsvorlage zu; diesmal bei einer Stimmbeteiligung von 64,9 Prozent.

Als sich dann am 5. Dezember 1969 erstmals auch Baselbieterinnen zur Frage der Wiedervereinigung äussern durften, sagten 59 Prozent aller Stimmberechtigten Nein zum gemeinsamen Kanton, von denen 75,9 Prozent an die Urne gegangen waren.

Und jetzt der 28. September 2014: nur noch 31,67 Prozent Zustimmung zur Einsetzung des Verfassungsrats bei einer verhältnismässig zurückhaltenden Stimmbeteiligung von 52,52 Prozent.

Erstmals überhaupt nach einem Jahrhundert Wiedervereinigungsdiskussion wird es nicht einmal so weit kommen, dass ein bikantonales Gremium einen Verfassungsentwurf ausarbeitet.

Den Fusionsbefürwortern ist es nicht gelungen, die stillen Sympathisanten der Fusionsidee zu mobilisieren und die Mauer ihrer Gleichgültigkeit zu durchbrechen. Aus den Fusionsfreunden ist nie eine Volksbewegung entstanden. Das Feld gehörte fast ausschliesslich der lärmigen Nein-Kampagne der Pro-Baselbieter. Die Fusionsidee ist damit für viele Jahre vom Tisch.

Was sind die Gründe für diese überdeutliche Abfuhr? Was die Fusionsbefürworter als grössten Antrieb zur Schaffung des gemeinsamen Kantons angesehen hatten – das faktisch erfolgte Zusammenwachsen der beiden Basel zu einer gemeinsamen Lebenswelt –, erwies sich als stärkstes Gegenargument.

Dass sich seit 1970 die Grenzen zwischen den beiden Halbkantonen zunehmend verwischt haben, bedeutet gleichzeitig, dass für den gewöhnlichen Landbewohner kein realer Leidens- und Trennungsdruck mehr besteht, diese Kantonsgrenzen ganz abzuschaffen. Der komplizierte Prozess bis zur Kantonsfusion wurde darum als Energieverschwendung angesehen.

Angesichts dieser Grundhaltung wäre ein behutsameres, politisch breiter abgestütztes Vorgehen der Fusionsbefürworter ratsamer gewesen – etwa ein Volksbegehren für eine Fusionssimulation, deren ergebnisoffene Absicht niemand hätte anfechten können.

Doch fortgerissen von der Hochstimmung rund um die Wahlen 2011 gingen die Baselbieter Grünen mit ihrer Fusionsidee aufs Ganze und erlitten nun eine totale Abstimmungsniederlage. Statt enger zusammengerückt, scheinen die beiden Basel, zumindest mental, noch weiter voneinander entfernt als 1969.

Nachdem der Kanton Baselland seinen Willen zur Selbstständigkeit manifestiert hat, ist Nüchternheit das Gebot der Stunde: Es liegt nun an der Professionalität beider Regierungen und Parlamente, das Konzept der vertieften Partnerschaft ohne fehlgeleitete Emotion anzupacken.

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