Das ist nachhaltiger Staatsunterricht à la Baselland: Wer im nächsten Sommer im Kanton in eine erste Sekundarschulklasse eintritt, dürfte mit grösster Sicherheit wissen, was ein regierungsrätliches Sparprogramm ist. Denn zahlreiche angehende Sekschüler und ihre Eltern sind derzeit sehr direkt mit dessen Auswirkungen konfrontiert. Der Hintergrund: Das Amt für Volksschulen (AVS) erhielt in diesem Jahr die regierungsrätliche Vorgabe, die Schulleitungen anzuhalten, die gesetzlichen Möglichkeiten bei der Klassenbildung konsequent auszuschöpfen.

Dies sagt Urs Zinniker, ad interim Leiter des AVS. Gesetzlich möglich sind derzeit – die Regierung will bekanntlich die Zahlen nach oben schrauben – im Niveau E und P maximal 24, im Niveau A 20 Schüler pro Klasse. Dazu kommt, dass auf der Sekundarstufe im Sommer 2600 Viertklässler austreten, aber nur 2400 Erstklässler eintreten. Das alles hat unter dem Strich zur Folge, dass der Kanton ab neuem Schuljahr 23 Sekundarklassen weniger führt und dadurch 30 Lehrer-Vollzeitstellen aufheben kann, wie Zinniker sagt.

Die möglichst weitgehende Auffüllung der einzelnen Klassen hat die negative Begleiterscheinung, dass etliche Schüler nicht mehr die nächste, sondern eine andere Sekundarschule innerhalb des gleichen Schulkreises besuchen müssen; insgesamt ist der Kanton in sieben Sekundarschulkreise mit 18 Standorten unterteilt. Gegenwärtig läuft dieser Prozess auf freiwilliger Ebene. Das heisst, die Schulleitungen haben bei den künftigen Sekschülern respektive deren Eltern nachgefragt, wer ohne Zwang in ein entfernteres Schulhaus gehen möchte. Gibt es zu wenig Rückmeldungen, müssen die Schulleiter verfügen, mit dem ganzen Rattenschwanz an Einsprachemöglichkeiten.

Wie viele Schüler von solchen Umteilungen betroffen sind, will die Bildungsdirektion nicht bekannt geben. Für diese Information seien die einzelnen Schulleitungen zuständig. Das heisst, um die Zahl zu eruieren, müsste man in der jetzigen Ferienzeit 18 Schulleiter erreichen – ein Ding der Unmöglichkeit.

Wüthrich fürs Gleiche kritisiert

In einem besonders brisanten Fall haben wir aber nachgefragt, und der Schulleiter der Sekundarschule Reigoldswil, Hansruedi Hochuli, bestätigt die kürzlich in der «Volksstimme» kolportierte Zahl: Sieben Schüler des Niveaus P aus dem Waldenburgertal müssen ab Sommer über den Hügel nach Reigoldswil statt nach Oberdorf in die Schule. Brisant ist das deshalb, weil vor fünf Jahren im Waldenburgertal der grosse Aufstand ausbrach, als genau die gleiche Sparübung stattfand.

5000 Personen haben damals eine Petition unterschrieben, dass keine Schüler zwischen den beiden Frenkentälern verschoben werden sollen. 200 Personen haben ein Podium besucht, auf dem der damalige Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) in der Defensive und die damalige Hölsteiner Gemeinde- und Landrätin Monica Gschwind (FDP) in der Offensive war.

Die «Basler Zeitung» schrieb damals, dass Gschwind «detailliert darlegte, wie unzumutbar für Schüler der Talwechsel per Velo über das Sixfeld und wie schlecht die Busverbindungen zwischen Oberdorf und Reigoldswil sind». Vor kurzem wollte die Regierung samt der mittlerweile zur Bildungsdirektorin aufgestiegenen Gschwind die «schlechte» Busverbindung zwischen Oberdorf und Reigoldswil weiter ausdünnen. Dies auch an Werktagen, wenn die sieben künftigen Sek-Schüler ins andere Tal pendeln müssen. Dass es nun nicht so weit kommt, können die Schüler dem Landrat verdanken; er beschränkte das Streichkonzert aufs Wochenende.

Und was sagt Gschwind zu ihrer fast schon schwindelerregenden Kehrtwende? Die Regierungsrätin fand gestern keine Zeit, der bz diese Frage zu beantworten.