Christine Baltzer, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl. Sie sind jetzt die erste Frau im höchsten Baselbieter Richteramt. Ab wann eigentlich?
Ich weiss es nicht. Ich nehme an, dass die Wahl ab sofort gilt, aber das konnte mir bisher noch niemand bestätigen.

Sie haben Ihren Rivalen Roland Hofmann bloss um drei Stimmen geschlagen. Wie erleichtert sind Sie?
Erleichtert war ich bereits, als ich eine Stunde vor der Landratssitzung erfuhr, dass die SVP Herrn Hofmann nominieren wird, und es zu diesem Wahlduell kommt, das wir uns beide gewünscht haben. Dass es knapp werden würde, wusste ich ebenfalls bereits vor der Wahl.

SVP-Landräte sagen nun, dass wegen Ihrer Wahl das Gentleman’s Agreement zwischen den Parteien von 2013 hinfällig geworden ist. Die FDP, deren Mitglied Sie sind, habe keinen Anspruch auf die Nachfolge des zurückgetretenen SP-Richters Andreas Brunner gehabt.
Nun gut, die SVP hat sich an das Agreement ja auch nicht gehalten. Darin heisst es nämlich, dass mit allen Kandidaten ein Hearing durchgeführt werden muss, wozu mich die SVP nicht eingeladen respektive wieder ausgeladen hat. Unabhängig davon denke ich, dass diese Wahl gezeigt hat, dass sowohl das Agreement wie auch die entsprechenden Gesetze respektive Dekrete überarbeitet werden müssten. Ich bin ohnehin der Meinung, dass wir im Kantonsgerichtspräsidium ein Rotationsprinzip einführen – so wie es in anderen Kantonen üblich ist. Dann würden auch die politischen Ränkespiele überflüssig.

Ausserdem wirft Ihnen die SVP vor, dass Sie sich jetzt unbedingt noch Ihre Pension vergolden lassen wollten, obschon Sie sich bereits mit 60 haben teilweise frühpensionieren lassen. Das sei keine gute Voraussetzung für das höchste Richteramt.
Der Unterschied zu meinem jetzigen Lohn wird rund 400 Franken pro Monat ausmachen. Von "vergolden" kann hier also kaum die Rede sein. Ebenso wenig wird sich das auf meine Pension auswirken: Mein Arbeitspensum bleibt ja bei 70 Prozent.

Aber dass Sie sich 2014 zu 30 Prozent frühpensionieren liessen, beweise, dass Sie bereits mit Ihrer Richterlaufbahn innerlich abgeschlossen hätten.
Davon kann keine Rede sein. Ich erinnere daran, dass ich mich in erster Linie darum frühpensionieren liess, damit mein Partner im Abteilungspräsidium Zivilrecht, Thomas Bauer, sein Pensum um 30 Prozent aufstocken konnte. Er ist übrigens ebenfalls SVP-Mitglied. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich sowieso immer mehr als mein Pensum gearbeitet habe. Also für mich eindeutig ein gesuchtes Argument.

Zwar wissen Sie noch nicht, ab wann Sie offiziell im Amt gewählt sind. Aber wissen Sie wenigstens, wie lange Sie das Amt ausüben werden?
Als Präsidentin der Abteilung Zivilrecht will ich bei den Gesamterneuerungswahlen 2018 nochmals antreten. Was hingegen das Kantonspräsidium angeht, bin ich offen. Wenn der Landrat findet, dass Herr Hofmann 2018 das Präsidium übernehmen soll, bin ich für eine solche Lösung zu haben. Wir werden sehen, wie die Situation in zwei Jahren aussieht.