Herr Joset, Sie kandidieren für den Binninger Gemeinderat. Ich dachte ja, nach Ihrem Rücktritt aus dem Landrat Ende 2014 gehen Sie in den politischen Ruhestand.

Marc Joset: Das dachte ich eigentlich auch. Aber im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, dass noch immer viel politisches Blut durch meine Adern fliesst. Ich habe mich in der Zwischenzeit einigen Projekten gewidmet und alle hatten mit Politik zu tun. Das zeigte mir, dass Politik für mich ein starkes Anliegen ist – im Sinne von gesellschaftlicher Verantwortung. Zum Jahresende habe ich beschlossen, dass ich mich noch nicht davon verabschieden möchte.

Obwohl Sie mit 68 den Ruhestand ja verdient hätten ...

Ich weiss, viele sprechen davon, dass man jungen Leuten Platz machen soll. Das finde ich gut so. Aber auch meine Generation und jene meiner noch lebenden Eltern sind in der Politik untervertreten. Dabei gibt es viele Themen, bei denen wir viel zu sagen hätten, etwa zur Gesundheit und zum Wohnen im Alter.

Sie waren von 1995 bis 2008 schon im Binninger Gemeinderat.

Deshalb weiss ich, wie anspruchsvoll dieses Amt ist. Ich habe grossen Respekt davor, würde mich aber über die Herausforderung freuen. Gerade jetzt fände ich das Amt besonders spannend. Denn der Kanton erteilt den Gemeinden immer mehr Verantwortung, die sie in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden wahrnehmen können. Aus dem Landrat ist mir dieses Thema bereits vertraut.

Sie profitieren also für die lokale Politik von Ihrem Landratsmandat?

Ja, auch weil ich dadurch viele wertvolle Verbindungen habe. Während der langen Zeit in der Politik habe ich auch sonst Vieles gelernt. Etwa, dass man seine Ziele Schritt für Schritt und nur im Konsens mit anderen erreichen kann. Diese Erfahrung fehlte mir, als ich jung war. Heute könnte ich im Gemeinderat auch eine Art verbindende Funktion zwischen den Generationen einnehmen, ich bin und bleibe aber einer sozialen Politik verpflichtet.