Das Zeichen aus Muttenz an der Gemeindeversammlung am vergangenen Donnerstagabend war überdeutlich: 140 Stimmbürger erteilten dem Sanierungsprojekt für die Deponie Feldreben eine klare Absage – nur 88 stimmten dafür. Die 22 Enthaltungen zeigen jedoch, wie heikel die Entscheidung für viele Muttenzer war und blieb. Nun muss die Gemeinde den ungewissen Rechtsweg bestreiten und die geplante Sanierung mit Grundwasserbehandlung und Teilaushub juristisch anfechten. Die Gemeinde hätte zum Projekt von 176 Millionen Franken 1 Millionen beisteuern sollen.

Gegner und Befürworter hatten klar die negativen Folgen aufgezeigt, die sie bei der jeweils anderen Entscheidung befürchteten. Der Gemeinderat verteidigte seinen Verhandlungserfolg am Runden Tisch mit dem Kanton und den drei verantwortlichen Pharma-Konzernen Syngenta, BASF und Novartis: Jetzt bestehe die Gefahr, dass das Gericht das Sanierungsprojekt auf das juristische Minimum kürze; und das sei weniger als der Teilaushub, den die Delegation des Gemeinderates in langen Verhandlungen der Chemie abgerungen habe. Ganz zu schweigen von den Gerichtskosten, die bisher keiner der Gemeinderäte abschätzen kann.

«Grundwasser wird nie sicher sein»

Gemeinderat Thomi Jourdan wies ausserdem darauf hin, dass die Gemeinde «prinzipiell ein Grundwasser-Problem» habe. Selbst, wenn in den Feldreben alle Altlasten durch Totalaushub beseitigt würden, blieben Autobahn, Rangierbahnhof und die kleineren Deponien weiterhin ein Risiko: «Wir werden das Grundwasser in Muttenz per se nie sauberbekommen; wir können es nur schützen.»

Wesentlich überzeugender waren offensichtlich die Argumente jener, die sich gegen eine Billigsanierung auf den Schultern der Muttenzer und ihrer zukünftigen Generationen wehrten. Von der Gemeindekommission ergriff lediglich Dominic Frei (BDP) in diesem Sinne das Wort: Ihm stiess vor allem sauer auf, dass die Chemie sich aus der finanziellen Verantwortung stehle. Syngenta, BASF und Novartis sei die Sicherheit des Trinkwassers jeweils nur 4,5, 1,2 und 0,8 Promille ihres Jahresgewinnes wert, hatte er ausgerechnet.

Andere Kritiker verlangten einen Abtransport des Aushubs direkt per Bahn, fragten sich, was mit belasteten Stellen ausserhalb des Sanierungsperimeters passiere oder merkten an, dass die Sanierungsleiter ausserhalb der Öffentlichkeit zugegeben hätten, sie wünschten sich mehr Zeit, um eine bessere Sanierung zu planen. Viel Applaus erntete ein junger Muttenzer, der sich für sauberes Trinkwasser und eine abschliessende Sanierung einsetzte, um die zukünftigen Generationen nicht mehr damit zu belasten.

Für den Sanierungsplan sprachen sich unter anderem der ehemalige Stellvertretende Bauleiter der Gemeinde, Hanspeter Jauslin, und alt Gemeinderat Peter Issler aus. Beide folgten der Ansicht der Sanierungsleitung, dass die Schadstoffe bereits in den Felsgrund gesickert seien und ein Aushub des Materials darüber keinen Unterschied mache.