Die Chemiefirma CABB sorgte in Pratteln wegen ihren Unfällen und Havarien immer wieder für Negativschlagzeilen. 2010 waren es zwei Unfälle, 2013 und 2014 je einer. Es gab teilweise Verletzte und einen Toten.

Das Arbeitsgebiet der CABB ist tatsächlich nicht ungefährlich. Ihr wichtigster Grundstoff, Chlor, wird vor Ort aus lokalem Kochsalz von der Saline Schweizerhalle produziert. Das Chlor kommt bei der Herstellung verschiedenster Zwischenprodukte zum Einsatz. Es ist ein hochreaktives, ätzendes Gas, welches aber in der chemischen Industrie oft verwendet wird.

Neu ohne Quecksilber

In Pratteln wird das Chlor grösstenteils intern für Produktionsprozesse benötigt. Mit der neuen Anlage wird das bisherige auf Quecksilber basierende Verfahren ersetzt, das ab Dezember 2017 gesetzlich verboten sein wird. CABB setzt dabei auf die sogenannte Membran-Technologie.

Peter Vanacker, der neue Chef der CABB-Gruppe (links), und Robert Dahinden, Standortleiter Pratteln.

Peter Vanacker, der neue Chef der CABB-Gruppe (links), und Robert Dahinden, Standortleiter Pratteln.

Die Investition von 55 Millionen Franken sei die bislang grösste Einzelinvestition der deutschen CABB-Gruppe, sagte CEO Peter Vanacker am Freitag vor den Medien in Pratteln. Dies sei auch als Bekenntnis zum Standort Schweizerhalle zu verstehen. «Solche Investitionen sind langfristiger Natur, sie können nicht in drei, vier Jahren amortisiert werden», ergänzte Vanacker im Gespräch mit der bz. Er schätzt die Lebensdauer des Werks auf 25 Jahre. Die Anlage sei derzeit das Beste, was auf dem Markt erhältlich sei. Sie verbrauche 35 Prozent weniger Strom. Der hohe Stromverbrauch und das Quecksilber gab in der Vergangenheit immer wieder Anlass zu Kritik.

Die alte Anlage sei jährlich mit einem Aufwand von rund einer Million nachgerüstet worden, sie sei jetzt «die sechste Generation». Doch irgendwann ist Schluss. Einerseits sei die neue Technologie jetzt reif (CABB hat eine Testanlage in Gersthofen bei Augsburg), andererseits seien die Fristen von den EU-Behörden von 2020 auf 2017 vorverlegt worden. Ein Nebeneffekt der neuen Anlage sei die deutliche Reduktion der Chlor-Schienentransporte.

Sicherheit: «Daueraufgabe»

Vanacker, seit einem Jahr an der Spitze des bei Frankfurt domizilierten Unternehmens, beteuerte, dass man höchsten Sicherheitsstandards gerecht werden wolle. Seit 2013 habe die Firma drei Millionen Franken für gezielte Initiativen zur Weiterentwicklung der Sicherheit am Standort ausgegeben. Die Verbesserung der Sicherheit sei eine Daueraufgabe.

Die Bandbreite der Massnahmen reiche von Automatisierung und Prozessleitsystemen bis hin zu umfangreichen Mitarbeiterschulungen. Das Unfallrating erachtet Vanacker im Moment als gut – und er klopft auf Holz. CABB habe 0,4 Unfälle pro 200 000 Arbeitsstunden (Schwelle: einen Tag oder mehrere Tage unfallbedingte Arbeitsabsenz), die europäische Chemie-Branche liege bei 0,8.

CABB beliefert Kunden in der Agro- und Pharmaindustrie. Das Unternehmen ist auf die Herstellung und Vermarktung von Chlor- und Schwefelverbindungen spezialisiert. In Pratteln werden jährlich rund 570 000 Tonnen Feinchemikalien produziert wie etwa Bestandteile von Pflanzenschutzmitteln diverser Hersteller.

315 Mitarbeitende in Pratteln

Der starke Franken habe den Druck auf den Standort im vergangenen Jahr jedoch erhöht, sagte Vanacker weiter. Das Unternehmen habe mit Einkäufen in Euro sowie einer Gehaltsreduktion von zwei Prozent beim Kader reagiert. Für die Mitarbeitenden resultierte eine Nullrunde. Ein Personalabbau sei derzeit nicht geplant, schreibt die Agentur SDA.

Im vergangenen Jahr hat die deutsche Gruppe einen Umsatz von 480 Millionen Euro erzielt. Insgesamt betreibt das Unternehmen sechs Werke, davon zwei in Deutschland und je eines in Finnland, Indien, China und der Schweiz. 315 Mitarbeitende sind in Pratteln beschäftigt, 1000 weltweit.

«Unser Standort hat sich vom ‹Säurehersteller›, als der er früher bekannt war, zu einem weltweit führenden Life-Science-Hersteller gewandelt», konstatiert Robert Dahinden, operativer Chef des Geschäftsbereichs «Custom Manufacturing» und Leiter des Standorts Pratteln.

CABB hatte die frühere SF-Chem 2007 übernommen. SF-Chem war 1917 als gemeinschaftliches Zulieferunternehmen von der Basler Chemie aufgebaut worden. Früher als «Säurefabrik Schweizerhall» tätig, wurde sie 2001 umbenannt. 2004 verkauften die Chemiekonzerne Syngenta und Clariant das Unternehmen an eine Beteiligungsgesellschaft, danach wechselte es mehrmals die Hand.