Ein Ex-Polizisten-Ehepaar, das zu Hause im Baselbiet eine Hanfplantage betrieb, ist zu bedingten Haftstrafen verurteilt worden. Das Strafgericht akzeptierte am Montag die von der Staatsanwaltschaft beantragten 22 Monate für den Mann und die 16 Monate für die Frau.

Der Hauptvorwurf war qualifizierte, da banden- und gewerbsmässige Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das Strafmass war im abgekürzten Verfahren zustande gekommen: Zur Vermeidung eines ordentlichen Prozesses mit noch mehr Publizität hatte das Paar volle Geständnisse abgelegt und die von der Staatsanwaltschaft festgelegte Strafdauer akzeptiert. Diesen Deal segnete das Dreiergericht nun nach kurzen Befragungen und Beratungen ab.

Der heute 44-jährige Angeklagte war Wachtmeister bei der Baselbieter Kantonspolizei, als im Februar 2015 die Plantage im Keller ihres Hauses in einem Oberbaselbieter Dorf aufflog. Seine gleichaltrige Ehefrau arbeitet damals als Polizistin bei der baselstädtischen Polizei. Heute sind beide arbeitslos.

Selber nicht gekifft

Zusammen mit einem heute 46-jährigen Niederländer, den sie über eine Bekannte kennen gelernt hatten, richteten sie im Sommer 2013 die Indoor-Hanfanlage ein. Das Trio erntete in vier Etappen aus über 330 Cannabis-Stauden insgesamt rund 27 Kilo Marihuana, wovon es etwa 15 Kilo verkaufen konnte. Der Niederländer hatte zudem bei sich in einem Vorort von Basel noch 30 Stauden, teils zum Eigenbedarf.

Das Ex-Polizisten-Paar konsumiert laut eigenen Angaben selber kein Cannabis. Die Staatsanwaltschaft ging denn auch von einem rein finanziellen Motiv aus. Das Paar wollte dazu vor dem Gericht wegen der belastenden Medienberichterstattung - die laut Verteidigung teils die Persönlichkeitsrechte verletzte - nichts mehr sagen.

Mit einem Bruttoerlös von 71'000 Franken, abzüglich Investitionen von rund 27'000 Franken sowie Betriebskosten, waren sie trotz professioneller Anlage «nicht die grossen Drogendealer», wie der Staatsanwalt sagte. Der Polizist betreute im Wesentlichen die Anlage, und der Niederländer, der das Cannabis-Knowhow einbrachte, verkaufte das Gras.

Dritter Mann will richtigen Prozess

Der Niederländer will sich allerdings in einem ordentlichen Prozess rechtfertigen: Er zog am Montag überraschend sein Einverständnis zum abgekürzten Verfahren zurück. Er habe dieses nur abgegeben, weil er sich in Untersuchungshaft unter Druck gesetzt gefühlt habe – was der Staatsanwalt abstritt. Er sei mit dem Strafantrag von 20 Monaten bedingt nicht einverstanden, sagte der Angeklagte nun und beantragte auch einen neuen Verteidiger.

Das Dreiergericht gab den Fall des Niederländers entsprechend an die Staatsanwaltschaft zurück. Den beiden Ex-Polizisten gestand es jedoch das abgekürzte Verfahren zu, dem nichts im Wege stehe. Am Ende erhob es die Anklageschrift formell zum Urteil. «Bedingt» sei wegen der guten Prognose angebracht.

Angesichts der Akten und Geständnisse sei der Sachverhalt klar und die Qualifikation ebenso, sagte die Gerichtspräsidentin. Der Strafantrag liege im Gesetzesrahmen und sei individuell angemessen. Entlastend wirkten die Folgen: Medien seien mit Bildern des Hauses und Angabe des Orts, Vornamen und echter Initialen «sicher zu weit» gegangen.

Im Polizeidienst korrekt

Sie hätten «den grössten Fehler unseres Lebens begangen», sagte die Ex-Polizistin mit bebender Stimme vor Gericht. Sie bedauerten diesen zutiefst und entschuldigten sich bei allen – auch der Polizei, deren Berufsstand durch ihre Verfehlungen gelitten habe.

Im Dienst hätten sie jedoch bis zuletzt immer korrekt gehandelt; der Fehltritt sei ausschliesslich in ihrem Privatleben geschehen. Sie akzeptierten die Strafe und möchten jetzt neu anfangen können.