«Das Thema Recht im Alter brennt unseren Kunden unter den Nägeln», sagt Peter Kury, Geschäftsleiter der Spitex Allschwil Binningen Schönenbuch (ABS). Es gebe etwa betagte Menschen, die Angst vor der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) hätten oder nicht verstünden, wie das Erbrecht funktioniert. Ähnliche Erfahrungen macht auch Pro Senectute beider Basel, die neben Infoveranstaltungen unter anderem Rechtsberatungen anbietet. Seit 2012 ist ausserdem der «Docupass» im Angebot, ein Vorsorgedossier rund um die Themen Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag und Testament, das sehr beliebt ist. «Wir mussten vor lauter Nachfragen kurzfristig ein Kontingent nachbestellen», erzählt Anna Wegelin von Pro Senectute beider Basel.

Auch bei der Basler GGG Voluntas, welche Beratungen zum Thema Patientenverfügung anbietet, sieht es ähnlich aus. «Die Nachfrage steigt jährlich um etwa sechs bis acht Prozent», erzählt Jikkelien Bohren, Leiterin der Geschäftsstelle. Dies hänge vor allem mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht zusammen, welches 2013 in Kraft trat. Damit wurde auch die Kesb eingeführt, die immer wieder für Schlagzeilen sorgt.

Solche Medienberichte hinterliessen bei älteren Menschen Ängste, so Kury. «Aber es gibt Situationen, in denen eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt. Wenn wir das feststellen, werden wir zum Schutze unserer Kunden aktiv.» Wer einen entsprechenden Vorsorgeauftrag hat, kann ein Eingreifen durch die Kesb verhindern. «Deshalb muss man sich schon mit dem Thema beschäftigen, solange man noch urteilsfähig ist und etwa Handlungsvollmachten für die Kinder unterschreiben.»

Nächster Infoabend übermorgen

Solche Tipps erteilt der Spitex-Förderverein Binningen an seiner Infoveranstaltung «Recht im Alter», die am Dienstagabend in Binningen zum ersten Mal stattfand. Bei der Themenwahl orientierten sich die Veranstalter an den Fragen, die ihnen in ihrem Alltag mit älteren Menschen immer wieder gestellt werden, und luden zu deren Klärung Experten aus den verschiedenen Fachgebieten als Referenten ein. Entsprechend gross war denn auch der Andrang. Auch für den nächsten Infoabend am 22. März in Allschwil liegen schon zahlreiche Anmeldungen vor.

Ein Thema, das es ins Programm der neuen Spitex-Veranstaltung geschafft hat, hat Kury selbst erstaunt: Alter und Strassenverkehr. «Ich hätte nie gedacht, dass die Vorstellung, den Führerschein abgeben zu müssen, ältere Menschen so nervös macht», gesteht er. «Aber den Verlust des Führerscheins setzen viele mit dem Verlust der Selbstständigkeit gleich.»

Selbstbestimmtheit sei es denn gemäss Pro Senectute Schweiz auch, die hinter der steigenden Nachfrage nach Angeboten wie Beratungen oder dem «Docupass» sowie der Zunahme an Anbietern stehe. «Hintergrund dieses Trends ist gemäss unserer Einschätzung der Wunsch, die Kontrolle über wichtige Entscheidungen im Leben zu behalten», so Judith Bucher von Pro Senctute.

471 Beratungsgespräche über Patientenverfügung führte vergangenes Jahr die GGG Voluntas. «Auch dabei geht es um Selbstbestimmung», so Bohren. «Mit einer Patientenverfügung behält man diese, auch wenn man sie eigentlich nicht mehr wahrnehmen kann.» Ausserdem sei sie eine Entlastung für Angehörige, die sonst im Ernstfall die Entscheidungen alleine treffen müssen. «Das ist auch ein Vorteil einer Patientenverfügung: Sie veranlasst einen, mit den Angehörigen dieses schwierige Thema überhaupt anzusprechen.»

Dass es schwierige Themen sind, über die er am Infoabend informiert, weiss auch Kury: «Hauptziel der Veranstaltung ist deshalb, den Leuten Mut zu machen. Mut, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.» So können die vier Fachvorträge denn auch nicht abschliessend informieren. «Aber sie können aufwecken.»