Das AKW Fessenheim ist alt und steht in einem Erdbebengebiet. Es sollte abgeschaltet werden. Nachdem Wyhl und Kaiseraugst durch den breiten Widerstand der Bevölkerung verhindert wurden, ist Fessenheim seit vielen Jahren ein irritierender Stachel im grün geprägten Lebensgefühl des Dreilands.

Weit weniger ausgeprägt ist diese Irritation allerdings im Elsass, Standort des Atomkraftwerks und somit auch Nutzniesser erheblicher Steuereinnahmen. Da verwundert es nicht, dass Charles Buttner, Präsident des Generalrats Oberelsass, die pragmatischen Aussagen zu Fessenheim der französischen Umweltministerin Ségolène Royal ausdrücklich lobt und sich freut, dass Ende 2016 aller Wahrscheinlichkeit nach eben doch nicht das Aus für das AKW droht.

Unterdessen tobt in Frankreich ein Machtkampf um das Atomkraftwerk, in dem die zahlreichen AKW-Befürworter zunehmend mit absurd anmutenden Zahlen aufwarten. 500 Millionen Euro sollen in den letzten Jahren in die Sicherheit des AKW investiert worden sein. Das ist ebenso Unsinn wie die fünf Milliarden Euro, die zwei Parlamentarier als Kosten für die Schliessung errechneten. Sie gingen dabei von einer Laufzeit von 63 Jahren aus, und die genannten 500 Millionen beinhalten Ausgaben in den Unterhalt und mit den neuen Dampfgeneratoren in die Wirtschaftlichkeit des AKW.

Währenddessen versuchen Royal und Hollande, mit gegenteiligen Aussagen AKW-Befürworter und -Kritiker bei Laune zu halten. Dennoch: Fessenheim-Stopp oder nicht, bald müssen sie das entscheiden.