Drei Tage vor Beginn des Basler Wahljahres ist ein parteiinterner Streit das Letzte, was die CVP gebrauchen kann. Besonders wenn es einer ist, der einerseits die Identität der Partei betrifft und zum anderen aufzeigt, dass das Präsidium offenbar nicht ganz so fest im Sattel sitzt, wie es sich das wünschen dürfte. Und es ist ein Streit über die Diskussionskultur innerhalb der Partei.

Fragen zu stellen, wie weit Krankenkassen – oder der Staat – Abtreibungen finanzieren sollen, ob Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen sollen, oder wie weit die Präimplantationsdiagnostik gehen darf, das ist alles nicht sehr modern. Aber es muss möglich sein. So lange es eine Partei gibt, die sich mit dem grossen «C» in ihrem Namen zu einem christlichen Weltbild bekennt, so lange ist diese Partei jene, die solche Diskussionen intern führen muss. Mehr noch als alle anderen. Wenn das in der Tat nicht mehr möglich sein sollte, wie Albietz es durchblicken lässt, oder wenn bei einigen Mitgliedern dieser Eindruck aufkommt, dann läuft etwas grundsätzlich schief.

Der Ansatz, jemanden zur CVP-Präsidentin zu wählen, die sich selbst als «atheistisch» bezeichnet, war ein interessanter. Und ein demokratischer, schliesslich haben die Parteimitglieder Andrea Strahm gewählt. Ob es der Weisheit letzter Schluss war oder ob diejenigen Mitglieder, die sich im christlich-konservativen Lager zu Hause fühlen, nun unter die Räder kommen, das bleibt abzuwarten. Daniel Albietz hat für sich die Konsequenzen gezogen. Dafür gebührt ihm Respekt. Unabhängig davon, was man nun von seinen Positionen halten mag.