Auch wenn die SP krampfhaft aufzuzeigen versucht, dass der Bildungsrat ein Expertengremium in Sachen Bildung sei, hat die Vergangenheit deutlich das Gegenteil gezeigt: So konnten zum Beispiel die teilnehmenden Mitglieder des Bildungsrates an ihrer eigenen Pressekonferenz zum Lehrplan 21 die Fragen der Journalisten kaum fundiert beantworten. Es stellte sich heraus, dass sie weder die Philosophie des Lehrplans 21 verstanden haben noch deren Umsetzbarkeit beurteilen konnten – peinlich, aber doch irgendwie verständlich: Denn von den 14 Mitgliedern des Bildungsrates haben nur gerade vier tagtäglich mit Bildung zu tun; die anderen vertreten vor allem die Partikularinteressen ihrer Parteien oder Wirtschaftsverbände.

Dennoch ist der Bildungsrat befugt, ohne Rücksicht auf finanzielle Mittel des Kantons abschliessend über Lehrpläne, Lehrmittel und Stundentafeln zu befinden. Und es ist ein völliger Irrglaube zu meinen, der Bildungsrat würde die Lehrpläne erarbeiten. Vielmehr erhält er von der Bildungsdirektion fixfertige Vorlagen, die er mangels Know-how und Fachwissen nur abnicken kann. Das Laiengremium entscheidet in der Regel, ohne die Meinung der Lehrpersonen und Fachexperten zu beachten.

Die Mehrheit der Lehrpersonen sieht im vom Bildungsrat angestrebten kompetenzorientierten Lehrplan ein erhebliches Risiko für die Schülerinnen und Schüler. Kein Wunder, im Bundesland Baden-Württemberg hat die Anzahl Schulabgänger, die nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden können, zehn Jahre nach der Umstellung auf den kompetenzorientierten Unterricht erschreckend zugenommen. Das selbstorganisierte Lernen, das bei uns neu eingeführt werden soll, scheiterte in Deutschland kläglich.

Der Bildungsrat verkennt die Schwächen des Lehrplans 21 mit seiner angestrebten Unterrichtsphilosophie und politisiert mit aufgesetzter Reform-Brille klar am Volk vorbei. Die von ihm propagierten Sammelfächer wurden denn am 5. Juni an der Urne mit 61% auch wuchtig verworfen.

Die SP merkt, dass ihre Bildungspolitik scheitert und die von alt Regierungsrat Urs Wüthrich vorangetriebenen Reformen von Regierungsrätin Monica Gschwind hinterfragt und erfolgreich gestoppt werden. So bedienen sich die beiden SP-Landräte Mirjam Locher und Roman Brunner wiederholt markiger Worte, um Gschwind und die Starke Schule Baselland zu diffamieren. Sie werfen der Bildungsdirektorin vor, die Bildungsmacht auf ihre Direktion konzentrieren zu wollen, um niemanden mehr fragen zu müssen, wenn es um Lehrpläne und Stundentafeln geht. Dabei verkennt die SP: Es war die neue Regierungsrätin Gschwind, welche eine breit angelegte Umfrage bei den Lehrpersonen durchführte, ihre Position ernst nahm und diese berücksichtigte. Die neue Bildungsdirektorin strebt in Bildungsfragen Konsenslösungen an, die von einer Mehrheit mitgetragen werden kann.

Es kommt auch nicht zu einer «Verpolitisierung der Bildung», wie die beiden SP-Landräte behaupten. In zahlreichen Kantonen entscheidet schon der Regierungsrat unter Berücksichtigung der Position der abnehmenden Schulen über Bildungsgeschäfte und das funktioniert gut. Zudem soll in Baselland der Bildungsrat gar nicht ersatzlos abgeschafft, sondern professionalisiert werden, indem statt Laien mit Parteien- und Wirtschaftsinteressen echte Bildungsleute aus der Praxis Einsitz nehmen sollen.

Der Entscheid, die Fähigkeiten, Kompetenzen und Aufgaben des Bildungsrates zu hinterfragen, ist aufgrund seiner zahlreichen Fehlentscheide in den vergangenen Jahren nachvollziehbar und legitim. Zu wichtig ist unser Bildungssystem, um es ideologischen Wunschvorstellungen zu opfern.