Der Kantons- und Stadtentwickler Thomas Kessler war für sie gleichermassen Versprechen und Hypothek. Kritiker bezeichnen Kessler als Chefbeamten, dem gleichgültig ist, wer unter ihm als Regierungsrat arbeitet.

Nachvollziehbar auch, dass er seinem Vorgesetzten Guy Morin wenig Freude bereitete, wenn er ohne dessen Wissen in Zeitungsinterviews über «Abenteuermigranten» dozierte oder entgegen der Politik der Regierung Vorschläge machte, wie ein Sonntagsverkauf in der Innenstadt realisierbar wäre.

Mit solchen unliebsamen Überraschungen muss sich Ackermann nicht mehr beschäftigen. Stattdessen kann sie die wichtigste Chefbeamtenstelle in ihrem Departement in Ruhe selber besetzen.

Für die Verwaltung dagegen ist der Abgang von Kessler ein Verlust. Der Kantonsplaner mag nicht der Beamte aus dem Lehrbuch gewesen sein, aber gerade dadurch gelang es ihm, in der Drogen- und Integrationspolitik erfolgreich Pionierprojekte zu lancieren. Dass Kesslers Schaffen in den letzten acht Jahren als Kantons- und Stadtplaner weniger fassbar war, kann man sicherlich kritisieren, liegt aber auch daran, dass die Thematik sehr abstrakt ist.

Für Ackermann könnte sich die Trennung von Kessler als politisches Eigentor herausstellen: Bereits im Wahlkampf hatten ihre Gegner der Grünen mangelnde Führungserfahrung vorgeworfen. Dass noch vor ihrem Amtsantritt in einer Hauruckaktion der Silberrücken aus ihrem künftigen Departement entfernt wird, wirft Fragen auf. Ackermann wird diese beantworten müssen, indem sie dem Präsidialdepartement schnell ein klareres Profil gibt.