Es ist ja nicht so, dass es den beiden Basel an Selbstbewusstsein fehlen würde. Oder vielmehr an Selbstgenügsamkeit. So richtig mag man sich nicht interessieren für die Geschehnisse ennet des Belchen. Zürich? Höchstens beruflich interessant. Schliesslich ist der Hort der Weltkultur und des Spitzenfussballs in Basel beheimatet. Bern? Dort ist das Bundeshaus von Interesse, wenn man den Basler Bedürfnissen partout nicht im geforderten Rahmen Aufmerksamkeit schenkt. Die Ostschweiz? Terra incognita. Das Tessin? Feriendestination. Graubünden und Wallis? Dasselbe. Die Romandie? Weit weg.

Umgekehrt findet man, dass Basel unter Wert geschlagen wird, nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält von den Zürchern, Bernern, Ostschweizern, Tessinern, Bündnern, Wallisern und Welschen. Schliesslich ist Basel – worunter die Restschweiz beide Kantone subsumiert – irgendwie schon der Nabel der Welt. Und vor allem: Man tickt anders. Sagt zumindest die Werbung, an die man in diesem Fall nur zu gerne glaubt. Die fehlende Aufmerksamkeit ist ein steter Stachel im saturierten Fleisch vieler Baslerinnen und Basler.

Und nun das. Die NZZ, die Mutter der Schweizer Presse, oder wenigstens deren alte Tante, schliesst ihre Regionalbüros, darunter jenes in Basel. Das mag in der betriebswirtschaftlichen Logik nachvollziehbar sein, zumal für einen Konzern in einer angeschlagenen Branche. Doch der Entscheid ist von grosser Tragweite. Dass für einen österreichischen CEO und einen in Deutschland sozialisierten Chefredaktor Zentralisierungen grundsätzlich kein Problem darstellen, ist wenig überraschend. Dass eine Zeitung, die deutlich älter ist als der moderne Bundesstaat und stets eng verflochten war mit dem Freisinn, der damals wichtigsten politischen Kraft im Lande, sich im 236. Jahr ihres Bestehens nach Zürich verkriecht, ist nicht nur symbolisch bedenklich.

Die Schweiz ist mehr als der eigene Bauchnabel

Die föderalistische Schweiz verliert eine wichtige Klammer. Die NZZ-Berichterstattung erfolgt künftig hors-sol von der Falkenstrasse aus. Im besten Fall mit Blick auf den Sechseläutenplatz, der zwar weit ist, aber den Blick auch nicht über Zürich hinaus öffnen hilft. Es ist nur wenige Jahre her, als praktisch alle Regionalzeitungen ein über die Schweiz verteiltes Korrespondentennetz unterhielten. Man konnte sich in Graubünden über die Romandie informieren und in Basel über die Innerschweiz. Diese Texte waren in der Regel keine Quotenbringer, aber sie erfüllten eine staats- und demokratiepolitische Funktion, weil sie zeigten: Die Schweiz ist mehr als der eigene Bauchnabel. Diese Korrespondentenstellen fielen als Erstes den sinkenden Werbeerträgen und Auflagen zum Opfer. Insofern ist es bemerkenswert, wie lange sich die darbende NZZ diesen Luxus noch geleistet hat.

Beyeler-Museum, Pharma, Schnitzelbängg und Somm

Schade ist es trotzdem. Denn nun fehlt den Regionen eine Aussensicht, die das weiterhin präsente SRF nicht liefern kann: die schonungslose Analyse, der geschärfte Blick des Sachkundigen aus einer gewissen Flughöhe. Denn es ist genau das, was die örtlichen Zeitungen, Onlineportale, Fernsehen und Radios nur bedingt zu leisten vermögen. Sie sind Teil des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Alltags. Bei aller professionellen Distanz zu den Akteuren bewegen sich die Medien doch im vorgegebenen kleinen Rahmen ihres Erscheinungsgebiets.

Die Folgen für beide Basel sind unschön. Die Aussensicht wird zukünftig noch stärker durch die zürichzentrierte Brille verzerrt. Was bedeutet: Etwas Beyeler-Museum und etwas Pharma, dazu eine Brise Schnitzelbängg (so sie denn für Zürcher Ohren verständlich sind), ansonsten Blocher-Somm-BaZ-Spekulationen und je nach Resultat ein bisschen Wahlen. Die Region hätte eine andere Art der Auseinandersetzung mit ihr verdient.