Der Handschlag soll in Baselland per Verfassung verbindlich erklärt werden. Der Grund: Zwei jugendliche Muslime weigerten sich aus religiösen Gründen, ihrer Lehrerin die Hand zu geben.

Ebenfalls aus religiösen Gründen wollte in Basel ein muslimischer Vater seine beiden Töchter nicht in den obligatorischen Schwimmunterricht schicken, weil dieser gemischtgeschlechtlich abgehalten wird. Er unterlag vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der die Integration der Mädchen in der Schule und damit in die Gesellschaft höher gewichtet, als den privaten Glauben der Eltern.

Der zweite Fall zeigt, wie absurd und unnötig die Legiferierungshektik ist, welche die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind im Nachgang zur Therwiler Affäre vom Zaun gerissen hat.

«Hiesige gesellschaftliche Werte» in Gesetzesform zu giessen ist ein per se willkürliches Unterfangen. Wer würde diese Werte definieren? Und wie würde dem stets laufenden Wertewandel Rechnung getragen? Wichtig ist doch, dass die Grundrechte unangetastet bleiben. Dass nicht willkürlich und aufgrund von Einzelfällen Sonderrecht geschaffen, sondern jedes (seltene) Mal eine Güterabwägung getroffen wird. So wie bei den beiden muslimischen Mädchen.

Die Bundesverfassung und die europäische Menschenrechtskonvention bilden dafür hervorragende Grundlagen. Noch. Denn Erstere droht immer mehr zu einem Sammelsurium kurliger Verbote (Minarett, Burka) zu werden, während Letztere nach dem Willen einer grösseren Volkspartei in der Schweiz bald keine Rolle mehr spielen soll.